„Wir dürfen uns nicht dauerhaft in dieses Schneckenhaus Home-Office zurückziehen“ – Erste Online-Synode des Ev. Kirchenkreises Köln-Süd

Nachrichten von der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Süd im Herbst 2020

Am Ende zog Superintendent Bernhard Seiger ein positives Fazit: „Ich bin froh, dass unsere erste Zoom-Synode unfallfrei verlaufen ist.“ Und in der Tat: Die Premiere für die Synodalen des Kirchenkreises Köln-Süd war gelungen. 84 Abgeordnete aus den Gemeinden hatten sich am Samstagmorgen eingeloggt. Aber rundum zufrieden war der Superintendent dennoch nicht: „Es fehlen die Begegnungen, die unsere Synoden ja auch ausmachen.“ Michael Miehe, Pfarrer aus Rodenkirchen, dachte während seiner Andacht zu Beginn der Synode in die gleiche Richtung: „Wir dürfen uns nicht dauerhaft in dieses Schneckenhaus Home-Office zurückziehen. Unser Leben und unser Glaube brauchen Körperlichkeit und Nähe. Wir müssen ausloten, was möglich ist und verantwortbar ist, und das dann auch tun, damit wir als Kirche wahrnehmbar bleiben.“

Miehe erinnerte an Luthers Schrift von der Freiheit eines Christenmenschen, die in diesen Tagen vor genau 500 Jahren veröffentlicht wurde. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“, heiße es dort zu Beginn. In der Theologie gehe es um die Befreiung von Angst vor einem strafenden Gott. Es gehe aber auch um die Befreiung von Angst vor einem Virus, dem man ausgeliefert sei. Es gehe darum, in Besonnenheit die Menschen zu bestärken.

In seinem Bericht, den er in gekürzter Fassung vortrug, zitierte Superintendent Bernhard  Seiger zunächst Karl Barth, der im Juni 1933 geschrieben hat: „Ich bemühe mich, hier in Bonn mit meinen Studenten … nach wie vor und als wäre nichts geschehen ….Theologie und nur Theologie zu treiben. Etwa wie der Horengesang der Benediktiner im nahen Maria Laach auch im Dritten Reich zweifellos ohne Unterbruch und Ablenkung ordnungsgemäß weitergegangen ist.“ Die Zeiten seien grundsätzlich nicht miteinander vergleichbar, das sei klar. Was Karl Barth aber über die Theologie, über Christen und über religiöse Gemeinschaften sagte, das sei doch Aufgabe der Christen heute auch in der Coronazeit, die so vieles infrage stelle und durcheinander wirbele: Kirche sein, Synode sein, den Auftrag, den der Herr der Kirche seiner Gemeinde gegeben hat, in Treue, in Wachheit, in Kreativität und Nähe zu den Menschen zu erfüllen. Darüber wolle man sich bei der Synode vergewissern und wahrnehmen, wo man stehe, was ermutige und orientiere, aber auch belaste und irritiere. (Den gesamten Bericht lesen Sie hier: Bericht Superintendent Seiger 2020.)

Der Superintendent ging ein auf die zahlreichen Gemeindeberichte. Der aus Brüggen habe die Situation gut zusammengefasst: „Persönlicher Kontakt entfiel auf einmal. Harte Zeit für Ältere. Menschlichkeit blieb auf der Strecke. Vorsichtige Lockerungen, Gottesdienste mit Abstand ohne Singen, besser als nichts. Eine Portion Angst. Gemeinsamens Essen? Wie kann Weihnachten stattfinden? Sehnsucht nach Normalität. Niemand weiß wann. Bis dahin erfreuen wir uns an dem, was geht und warten ….“ Die Einführung der im Frühjahr neu gewählten Presbyterinnen und Presbyter und die offizielle Verabschiedung der Ausgeschiedenen habe sich hingezogen, zum Teil bis heute. Das sei schade, denn der Beginn einer neuen Periode sei ja immer auch ein Aufbruch und eine Gelegenheit für eine Bilanz und zum Danken. Die Gemeinden hätten gerade bei den Gottesdienstfeiern viel Kreativität gezeigt, lobte der Superintendent.

Und die Zukunft? Es werde vielleicht an Weihnachten viele Gottesdienste unter freiem Himmel geben. „Ich will da nichts beschönigen. Da wird es eher unbehaust zugehen.“ Die vergangenen Monate hätten bestätigt, wie wichtig Diakonie und Seelsorge seien. „Wie viele Menschen profitieren davon, dass in Pflegeeinrichtungen und in der Seniorenarbeit Nähe und Begleitung geschieht.“ Menschen hätten Not mit den verordneten Beschränkungen und der damit drohenden Isolation: „Wir sind als Menschen soziale Wesen und wir brauchen den anderen, um uns als Mensch zu fühlen. Deshalb ist es so schwer, den Abstand als neue Form der Nähe zu akzeptieren. Aber es ist eben auch so, dass spürbar wird, wie notwendig Seelsorge ist. Gottesdienste sind Seelsorge, Besuche und Telefonate sind Seelsorge. Der Dienst in Krankenhäusern und Hospizen und bei der Telefonseelsorge ist weitergegangen, zum Teil in noch größerer Intensität.

Von der Öffentlichkeit blieb das eher unbemerkt, denn es sind leise Dienste an den Seelen der Menschen.“ Der Umgestaltungsprozess in den Gemeinden des Kirchenkreises sei eine große Herausforderung. Bis 2030 gelte es, sieben Pfarrstellen abzubauen. Das Jahr der Taufe werde wegen Corona auf das Jahr 2022 verschoben. Aber bei solchen Projekten und Ideen zeige sich: „Kirche ist da und geht kreative Wege, entwickelt neue Formate, um Menschen für uns zu gewinnen.“ Besonders wichtig war und ist dem Superintendenten die Beteiligung der Jugend an der Entwicklung von Kirche. Eine für Mai dieses Jahres geplante Jugendsynode fiel dem Corona-Virus zum Opfer. „Wir müssen unsere Kirche sehen mit den Augen derer, die jetzt 20 sind. Wir müssen junge Menschen für Gremienarbeit gewinnen. Presbyterien sollten junge Menschen fragen, wie die sich die Gemeinde in zehn, 20 Jahren vorstellen.“

Superintendent Seiger dankte Synodalassessor Rüdiger Penczek für seine Arbeit in den vergangenen 12 Jahren. Penczek trat nicht wieder zur Wahl an.

Bernhard Seiger ging auch ein auf eine wichtige Personalie im Kirchenkreis. Synodalassessor Rüdiger Penczek, Pfarrer in Wesseling, gibt sein Amt nach zwölf Jahren auf. Seiger dankte seinem langjährigen Stellvertreter sehr herzlich für dessen hervorragende Arbeit. Der Nominierungsausschuss des Kirchenkreises hat als Nachfolger Simone Drensler, Schulpfarrerin aus der Evangelischen Kirchengemeinde Sindorf, und Oliver Mahn, Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Zollstock, vorgeschlagen. Beide stellten sich mit kurzen Statements vor.

Drensler erklärte, dass es Gemeinden gebe, die Angst davor hätten, das Vertraute zu verlieren. Andere hätten sich einen Aufbruch erhofft. Es gehe jetzt darum, nachhaltige und tragfähige Strukturen zu schaffen. Der gesamte Kirchenkreis müsse sich verändern. „Welche Angebote reduzieren wir? Werden die Wege weiter? Werden wir Zentren schließen? Werden Pfarrerinnen oder Pfarrer zuständig für Gemeinden, die die nicht gewählt haben?“ Prioritätendiskussionen könnten Entlastung schaffen. Denn: „Wir sind immerhin noch missionarische Volkskirche.“ Oliver Mahn verwies auf sein breites kirchliches Engagement in den vergangenen Jahren. Leitungshandeln, wie er es versteht, ist geprägt von Fördern von Begegnungen und Kooperationen. Es sei immens wichtig, Beteiligung zu ermöglichen. „Leitungsorgane müssen Macht abgeben, wenn wir uns als Kirche diverser aufstellen wollen.“ Transparenz sei ein entscheidender Begriff. „Kirche dürfe ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen.“

Für weitere Aufgaben im Kreissynodalvorstand konnten Pfarrer Michael Miehe, Pfarrer Klaus Eberhard aus Raderthal, Lothar Eberhard aus Hürth, Reinhard Pachaly aus Kerpen, Peter Pfannkuche aus Brühl, Manuel Busch aus Hürth und Christiane Bauerdick aus Kerpen als Kandidaten und Kandidatinnen gewonnen werden. Die Synodalen wählen per Briefwahl. Das Ergebnis wird noch in diesem Monat feststehen.

Mit großer Mehrheit vergab die Synode drei Synodalbeauftragungen: Um die Ökumene kümmern sich Pfarrerin Franziska Boury aus Hürth und Pfarrerin Sandra Nehring aus Brühl. Die Organisation des Frauentages im Kirchenkreis leitet Pfarrerin Boury auch. Pfarrer Oliver Mahn unterstützt Pfarrer Klaus Eberhard in der Synodalbeauftragung für Gottesdienste.

Mit überwältigender Mehrheit nahmen die Synodalen die Jahresrechnung des Kirchenkreises für das Haushaltsjahr 2019 mit einer Bilanzsumme von 2,328 Millionen Euro und einem Bilanzgewinn in Höhe von 151.655 Euro zur Kenntnis. Dazu kommt noch ein Ergebnisvortrag aus dem Jahr 2018 in Höhe von 99.035 Euro. Somit ergibt sich laut Finanzkirchmeister Lothar Ebert ein Jahresüberschuss in Höhe von 250.691 Euro. Der wird wie folgt verteilt: 38.381 Euro gehen in die Instandhaltungsrücklage, mit 30.000 Euro werden verschiedene diakonische und ökumenische Projekte gefördert, die von Gemeinden vorgeschlagen wurden, und 181.860 Euro fließen in eine Rücklage zur Krisenbewältigung.

Superintendent Seiger hatte eine erfreuliche Neuigkeit zu verkünden. Finanzkirchmeister Ebert wird für sein großes ehrenamtliches Engagement für die Diakonie Michaelshoven und in zahlreichen kirchlichen Ämtern mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Synode gedachte auch zwei verstorbenen Mitgliedern: Gabriele von Dombois, langjähriges Mitglied im Kreissynodalvorstand und Presbyterin in Rodenkirchen, sowie Tom Hennig, der 35 Jahre Pfarrer in Hürth war.

 

Stichwort Kirchenkreis Köln-Süd:

Der Evangelische Kirchenkreis Köln-Süd umfasst insgesamt 16 Gemeinden. Dazu gehören: Brüggen/Erft, Brühl, Frechen, Horrem, Hürth, Kerpen, Köln-Bayenthal, Köln-Raderthal, Köln-Rodenkirchen, Köln-Zollstock, Lechenich, Liblar, Rondorf, Sindorf, Sürth-Weiß und Wesseling. Dort leben rund 63.800 Gemeindeglieder.

 

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann / APK

Der Beitrag „Wir dürfen uns nicht dauerhaft in dieses Schneckenhaus Home-Office zurückziehen“ – Erste Online-Synode des Ev. Kirchenkreises Köln-Süd erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.