Freude am Verkündigen: Wolfgang Raspe in Frechen zum Prädikanten ordiniert

Im Juni wurde Wolfgang Raspe in der Evangelischen Kirche in Frechen von Synodalassessorin Simone Drensler zum Prädikanten ordiniert. Seitdem gehört er zu den zahlreichen ehrenamtlich tätigen evangelischen Laienpredigerinnen und -predigern, die berechtigt sind, Gottesdienste, auch Abendmahlfeiern, zu leiten sowie Amtshandlungen vorzunehmen. Wolfgang Raspe betreffend sind das die Kasualien Eheschließung und Bestattung. „Ich habe den Ordinationsgottesdienst als sehr feierlich und tragend erlebt“, schildert der Prädikant seine Eindrücke. „Der Gottesdienst hat mich mental schon sehr eingenommen.“ Mit Auswirkung auf sein Zeitgefühl. So habe er seine gut zehnminütige Predigt über 1. Thessalonicher 2,4 („…so reden wir nicht, als wollten wir Menschen gefallen, sondern Gott, der unser Herz prüft.“) als deutlich länger empfunden – dagegen die tatsächliche Dauer des Gottesdienstes als merklich kürzer wahrgenommen.

„Seid füreinander da“

Geboren 1959 in Köln, zog es Wolfgangs Eltern 1962 von Nippes nach Pulheim-Brauweiler. In der dortigen Gnadenkirche erlebte der Heranwachsende Kindergottesdienste und die Konfirmandenzeit. Anschließend trat bei ihm „kirchenmäßig eine kleine Pause“ ein. Diese endete zum Ausklang der 70er Jahre mit Hermann Kotthaus. Der neue Pfarrer hatte in Brauweiler den „Montagskreis“ initiiert, einen Bibelkreis für Jugendliche. Über seinen jüngeren Bruder stieß der Zwanzigjährige dazu. „Beeindruckend“ sei dieser Kreis gewesen, erinnert Raspe. Aus seiner Sicht habe Kotthaus nicht das Klischee von Amtskirche erfüllt, sondern eine christliche Gemeinschaft im paulinischen Sinne als Einheit gepredigt. „Seid füreinander da“ – das habe der Seelsorger nicht nur in Gespräch und Predigt vermittelt, sondern auch (vor)gelebt.

1978 bereits hatte Raspe eine Konditorlehre abgeschlossen, aber bald festgestellt, dass ihm die Arbeit in der Backstube „eigentlich nicht so liegt“. Seine anschließende berufliche Orientierungsphase mündete in der Weiterbildungs-Ausbildung zum Rettungsassistenten. „In diesem Beruf habe ich bis 2008 beim Arbeiter-Samariter-Bund in Köln gearbeitet“, so Raspe. Daran an schloss er eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Medizinischen Kodierfachkraft. Bis heute ist er in dieser Funktion an einem Kölner Krankenhaus tätig.

Zurück zum Bibelkreis in Brauweiler. Dort lernte er auch seine spätere Frau Sabine kennen, und erhielt über einen Freund ihrer Schwester Kontakt zur Evangelischen Philippus-Gemeinde Köln im Stadtteil Raderthal. Eine von dieser in Schweden ausgerichteten Bibelfreizeit widmete sich zentral der Apostelgeschichte. Mit prägender Wirkung für den Gast aus Brauweiler. „Im ´Montagskreis´ in der Gnadenkirche fühlte ich mich immer wie ein Zuschauer, der ein Geschehen auf einer Bühne verfolgt, wie durch einen Schleier. Ich hatte eine Ahnung, was dort geschah und gesprochen wurde, konnte aber nicht erkennen, was genau“, erinnert Raspe. Nach der Rückkehr aus Schweden erkundigte sich Kotthaus nach dem Verlauf der Freizeit. „Der Schleier ist weg“, stellte Raspe damals fest. Und erläutert heute: „Es war die Freizeit, auf der ich Christ geworden bin.“

Einstieg in die Gemeindearbeit vor Ort

Nach dem Umzug 1992 nach Pulheim-Sinthern lernte das Ehepaar Raspe in der dortigen katholischen Kirchengemeinde eine engagierte Pastoralreferentin kennen. Diese habe nach Eltern gesucht, die an der Mitarbeit an einer ökumenischen Kinderkirche interessiert gewesen seien. „Das war unser Einstieg in die Gemeindearbeit vor Ort.“ 1998 wurde Wolfgang Raspe zunächst sachkundiges Gemeindemitglied im Presbyterium, 2002 als ordentlicher Presbyter gewählt und in die Kreissynode des Kirchenkreises Köln-Nord delegiert. Anfang 2012 erfolgte der Wohnortwechsel nach Frechen. Seit 2016 fungiert Raspe auch dort als Presbyter und Mitglied der Kreissynode Köln-Süd.

Bereits in seiner Zeit in Sinthern, wo er zu Beginn einer Presbyteriumssitzung schon mal die Andacht gehalten habe, sei die Idee einer Prädikantenausbildung an ihn herangetragen worden, erinnert Raspe. „Für Dich wäre das genau das richtige“, habe ihn Jörg Heimbach, damals Pfarrer im Bezirk Pulheim-Brauweiler der Evangelischen Kirchengemeinde Weiden, ermutigt. Als entscheidenden Auslöser für seinen Entschluss nennt Raspe eine im Juli 2015 gehörte Predigt über Lukas 5 („Ich will euch zu Menschenfischern machen.“): „Von da an war alles klar, es gab es kein Zurück mehr.“

Gestaltung der Predigt

Seine im Januar 2019 begonnene Zurüstung, so die Fachbezeichnung, verlängerte sich coronabedingt von regulär zwei auf drei Jahre. Als Mentor während der Zurüstung habe ihn der Frechener Pfarrer Sven Torjuul „mit viel Engagement begleitet“, dankt ihm Raspe. „Bei allen Fragen rund um die Gestaltung der Gottesdienste hat er mir mit seinem Fachwissen beratend zur Seite gestanden. Vor allem bei inhaltlichen Fragen zur Liturgie hat er mir die Schwerpunkte deutlich gemacht, beispielsweise bei der Formulierung von Eingangs- und Kollektengebet. Hier kam mir seine langjährige Erfahrung zu Gute. Den größten Anteil hat jedoch die Gestaltung der Predigt in Anspruch genommen.“

Tiefere Bibelkompetenz

Die Vorbereitung seines Ordinationsgottesdienstes bezeichnet Raspe rückblickend als „schon sehr anstrengend“. So habe er angesichts des feierlichen Aktes, bei dem ihm unter den sechs Votanten und Votantinnen auch eines seiner drei Kinder zusprach, die möglichst flüssige und in sich schlüssige Predigt nicht als „normale“ Kanzelrede empfunden. Auch die Wahl der Lieder, die Anzahl der Strophen, die Entscheidung für einen Psalm sei herausfordernd gewesen. Insgesamt hat Raspe die Zurüstung als eine sehr aufbauende Zeit erlebt. „Sie vermittelt schon eine tiefere Bibelkompetenz, wenigsten ein theologisches Sachverständnis. Und man bekommt einen tieferen Einblick in das theologische Potenzial eines Pfarrers.“ Auch darauf habe sein Mentor großen Wert gelegt.

Am Anfang, schildert Raspe, habe es ihn unheimlich Kraft gekostet, Predigten zu schreiben und zu halten. Im Grunde fordere ihn deren Erarbeitung noch heute stark. „Aber es bereitet mir wirklich Freude, sie zu halten.“ Das Sprechen zur Gemeinde sei für ihn keine Last. Im Gegenteil empfinde er Spaß am Verkündigen. Raspe, der vorzugsweise Sport- und Action-Motive fotografiert und am liebsten in der Vulkaneifel wandert, und wenn möglich, beide Interessen verbindet, versieht seinen Prädikantendienst in der Evangelischen Gemeinde Frechen und deren Nachbargemeinden. Fortsetzen wird er auch sein Engagement innerhalb des Angebots der werktäglichen 10-Minuten-Andachten an der Antoniterkirche auf der Kölner Schildergasse.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

Der Beitrag Freude am Verkündigen: Wolfgang Raspe in Frechen zum Prädikanten ordiniert erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.