Abschied von einer Pionierin – Superintendentin i.R. Hannelore Häusler verstorben

Der Evangelische Kirchenkreis Köln-Süd trauert um Pfarrerin i.R. Hannelore Häusler, die am 7. Dezember 2025 im Alter von 90 Jahren gestorben ist. Die ehemalige Superintendentin war eine Pionierin von Frauen im kirchlichen Leitungsamt und der feministischen Theologie: Hannelore Häusler war eine der ersten Frauen, die in der Evangelischen Kirche im Rheinland ein Gemeindepfarramt bekleidete. 1992 wurde die Theologin dann sogar die erste Superintendentin eines Kirchenkreises der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, der von Frau Häusler ordiniert und ins Pfarramt eingeführt wurde, schreibt zu ihr: „Ich habe an Frau Häusler sehr geschätzt, dass man mit ihr offen reden konnte. Sie hat uns jungen Theologinnen und Theologen in den neunziger Jahren, und zu der Zeit gab es viele von uns, große Unterstützung gegeben. Sie hat dazu ermutigt, in den Gemeinden und Presbyterien verkrustete Strukturen aufzubrechen, etwas zu wagen und eine vielfältige Kirche zu werden, die auf Menschen zugeht. Dazu hat sie die Jungtheologen regelmäßig zu sich eingeladen. Das waren intensive Gespräche, bei denen man merkte, dass sie gerne junge Menschen fördert.“

Doch ihr Weg in ein Amt in der Leitung der Kirche war weit. Am 9. Februar 1935 wurde Hannelore Häusler in Marienburg/Westpreußen geboren. Sie stammte aus einer Beamtenfamilie, aber bereits früh erwachte in ihr der Wunsch, evangelische Theologie zu studieren und Pfarrerin zu werden. Bibelarbeiten auf Schülerfreizeiten hatten ihr Interesse geweckt. Für sie stand fest: „Ich studiere Theologie, auch wenn es im Hinblick auf das Pfarramt nicht umsetzbar ist.“ Damals war die evangelische Theologie fast ausschließlich ein reines Männerunternehmen und der gleichberechtigte Weg ins Pfarramt war Frauen in der Evangelischen Kirche im Rheinland noch versperrt.

Sie begann 1956 mit dem Theologiestudium, das sie in Tübingen, Heidelberg und Bonn absolvierte. Nebenher studierte sie „zur Absicherung“ Germanistik auf Lehramt. Kurz vor dem Ersten Theologischen Examen heiratete die Studentin, damit schien ihre Laufbahn als Theologin beendet und aufs Ehrenamt beschränkt zu sein. Denn bis 1973 galt noch die sogenannte „Zölibatsklausel“. Wenn eine Vikarin heiratete, musste sie aus dem Amt ausscheiden. Trotzdem wollte Hannelore Häusler ihre Ausbildung nach dem Studium mit dem Vikariat abschließen. Der damalige Mülheimer Superintendent Alfred Busch ermöglichte ihr diesen Schritt. Von 1961 bis 1964 absolvierte sie ihr Vikariat in Mülheim an der Ruhr. Nebenher arbeitete sie als Religions- und Deutschlehrerin, weil Frauen noch kein Pfarramt wahrnehmen durften. Im Rückblick über diese Zeit sagte sie: „Aus Nichts ist was geworden. Dieser rote Faden zog sich durch mein Berufsleben.“ Der Liebe zur Literatur blieb sie treu, bis in ihre späten Jahre schätzte sie Romane von Theodor Fontane und Thomas Mann.

Im Anschluss an die Zeit als Lehrerin wurde Hannelore Häusler Pfarrerin im Kirchenkreis Leverkusen, wo sie als Beauftragte für den Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen tätig war. Im Januar 1975 beschloss die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland die volle rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst. Im gleichen Jahr wurde Hannelore Häusler als Pfarrerin in der Gemeinde Brüggen/Erft gewählt. „Mein Wunsch war es immer, in die Gemeinde zu gehen“, sagte sie später. „Für mich als Pfarrerin gab es keine Vorbilder, mich reizte dieses weite, unbeackerte Feld“.

Als sie 1976 in ihr Amt eingeführt wurde, trat eine komplette Familie aus der evangelischen Kirche aus und erklärte öffentlich, dass sie es falsch finde, dass eine Frau den Pfarrdienst übernehmen würde. Häusler ließ sich aber von den damals noch weit verbreiteten Vorbehalten gegen Frauen auf der Kanzel nicht abschrecken und entwickelte im Dialog mit Kollegen ihre eigenen Vorstellungen als Pfarrerin. Ihr Gottesbegriff war nicht männlich geprägt. Sie glaubte, dass die Feministische Theologie dort Bestand hat, wo sie Frauen in der Bibel ins Blickfeld nimmt. Mit Blick auf ihre Erfahrungen als Theologin sagte sie: „Ich habe nie einen Unterschied im Auftrag an Mann oder Frau in der Kirche gesehen. Ich kann mir keine Wertigkeit vorstellen, die nach Geschlechtern sortiert, auch nicht biblisch.“

1992 wurde Hannelore Häusler zur ersten Superintendentin der Evangelischen Kirche im Rheinland gewählt. Für den Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, der damals noch Stadtkirchenverband Köln hieß, war das eine besondere Bereicherung. Acht Jahre lang, bis zu ihrem Ruhestand 2000, leitete sie die Synoden des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Süd – unerschrocken, zielstrebig und selbstbewusst dem Amt dienend. 1994 etablierte sie den jährlichen Frauentag des Kirchenkreises Köln-Süd, der seitdem jedes Jahr im Januar von Frauen aus dem Kölner Raum gestaltet wird, und an dem regelmäßig mehr als 100 Frauen teilnehmen. Ehrenämter bekleidete sie unter anderem in der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland, im Verein für Internationale Jugendarbeit und bei der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland (EFiD), wo sie Vorsitzende war. Für ihr Engagement im Kuratorium der Diakonie Michaelshoven in den Jahren 1998 bis 2002 erhielt sie 2008 den „Michaelshovener Engel“.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat das Wirken und die Lebensleistung von Hannelore Häusler im Jahr 2015 in der Ausstellung „Pionierinnen im Pfarramt“ anlässlich des Jubiläums „40 Jahre Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt in der EKiR“ gewürdigt. Auf der Tagung Kreissynode des Kirchenkreises Köln-Süd im Herbst 2015 dankte die Synode ihrer früheren Superintendentin 15 Jahre nach dem Eintritt in den Ruhestand noch einmal für ihren wegweisenden Dienst.

Die erste rheinische Superintendentin riet jüngeren Kolleginnen immer wieder: „Auf keinen Fall aufgeben, auch wenn es noch so aussichtslos ist! Es öffnen sich Türen, die man selbst vorher gar nicht gesehen hat.“ Rückblickend auf ihr Wirken in der Evangelischen Kirche sagte sie: „Das ist eigentlich das größte Geschenk meines Lebens gewesen, dass ich dazu beitragen konnte, dass die Evangelische Kirche im Rheinland sich öffnete.“

Text: APK
Foto(s): EKiR/Anne Siebertz

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