Zwischen Urknall und Apokalypse: Astrophysiker Heino Falcke spricht über Kosmos, Verantwortung und Hoffnung
Dass das Weltall einen Anfang hatte, war bis zur Entdeckung des Urknalls ein eher abwegiger Gedanke, dass es einmal ein Ende haben wird, ist eine (wenn auch in ferner Zukunft liegende) physikalische Tatsache. Die Bibel erzählt von beidem: Die ersten Worte der Genesis lauten „Im Anfang“ und im prophetischen letzten Buch des Neuen Testamentes, der Apokalypse, wird ein schwindelerregend bildreiches Szenario des Weltuntergangs gezeichnet.
Der Astrophysiker und Laienprediger Heino Falcke bewegt sich in seinem neuen Buch „Zwischen Urknall und Apokalypse“ in ebendieser theologisch-astrophysischen Polarität und schreibt Wissenschaftlern die Rolle moderner Propheten zu, deren Aufgabe nicht nur in der bloßen Beschreibung der Wirklichkeit auf dem aktuellen Kenntnisstand bestehe, sondern auch im Erzählen von Geschichten, die eigentlich Unbegreifliches und Unvorstellbares zugänglich machen. In der voll besetzten Kulturkirche Köln/ Lutherkirche in Nippes stellte er seinen druckfrischen „Reiseführer durch Raum und Zeit“ erstmals vor.
„Wo bin ich als Mensch?“
Moderator Joachim Frank kam zuerst auf „die denkbar größte Dimension“ zu sprechen, die Falcke in seinem Buch zu fassen versuche und der Autor gab zu, dass das Thema wie „ein großer Berg“ vor ihm gelegen habe. Ihn hätten die Fragen interessiert: „Wo bin ich als Mensch?“ und „Wo hat der Kosmos einen Einfluss gehabt?“ Doch wie bringt man hochkomplexe Astrophysik in eine lebendige Sprache jenseits der sprichwörtlichen „astronomischen“ Zahlen? „Mir helfen naturwissenschaftliche Bilder, prophetische Worte neu zu füllen“, sagt Heino Falcke. Geschichten erzählen, in Gleichnissen reden, das habe er von Jesus gelernt.
Musikalisch begleitet wurde der Abend von den Songs aus der Feder von Heino Falckes Sohn Niklas (Künstlername FALCKE). Ein wirklicher Glücksfall war Hörbuchsprecher Frank Arnold, mit dem Falcke bereits mehrfach zusammengearbeitet hatte und der einigen Passagen aus Falckes Buch fesselnd seine Stimme verlieh.
Wie würden wir die Genesis heute schreiben?

Jedem Kapitel ist eine prophetische Geschichte vorangestellt. Inspiriert hat Falcke dabei die prophetische Sprache der Genesis, bzw. die Frage: Wie würden wir die Genesis heute schreiben?
Im ersten Kapitel („Der Ursprung“) berichtet Heino Falcke von Georges Lemaître, dem wir die heute beinahe zur Allgemeinbildung zählende Theorie verdanken, dass das Universum sich nach dem Urknall (t = 0) exponentiell ausdehnte. Doch kein Kind würde sich mit dieser Vorstellung von einem „kosmischen Startschuss“ zufrieden geben, sondern neugierig weiterfragen: „Und davor?“ Diesem Unbekannten gelte es, einen Namen zu geben: „das Göttliche“, „der unbewegte Beweger“ oder eben „Gott“.
Heino Falcke erinnerte daran, wie unglaublich unwahrscheinlich die Entstehung von Leben eigentlich ist und betonte: „Es reicht nicht, dass da ein paar Moleküle zusammenkommen!“ Es gebe dazu hunderte von Theorien, aber wie genau aus Molekülen Organismen wurden, sei noch immer nicht abschließend geklärt. Die Spuren frühesten Lebens lassen sich jedoch anhand von Fossilien oder dessen Auswirkungen auf das Klima nachverfolgen. „Nicht ob wir die Einzigen sind, ist entscheidend, sondern, wie das Leben entstanden ist“, setzte der Astrophysiker klare Prioritäten.
Im letzten Gesprächsblock wandten sich Heino Falcke und Joachim Frank einer weiteren höchst unwahrscheinlichen Erfolgsgeschichte zu: dem Aufstieg des Christentums als einer Spielart des Monotheismus. „Jesu Lehre spiegelte so gar nicht den damaligen Zeitgeist wider“, bemerkte Falcke, und dennoch sei erst mit der Konstantinischen Wende von 313 (der Erklärung des Christentums zur Staatsreligion) jener gemeinsame Kulturraum denkbar geworden, den wir heute als „westliche Welt“ bezeichnen. Als Schriftreligion sei das Christentum auch maßgeblich für die Herausbildung einer Erinnerungskultur. „Kein anderes antikes Manuskript ist besser überliefert als das Neue Testament“, erklärte Falcke. Das Christentum charakterisierte er mit den drei Attributen „unwahrscheinlich“, „erfolgreich“ und „einflussreich“.
„Das soziale Miteinander des homo sapiens ist eine seiner Stärken“
Als Erfolgsgeschichte könnte man durchaus auch die Entwicklung des modernen Menschen lesen. Heino Falcke erinnerte daran, dass die Menschheitsgeschichte geprägt war von Migrationsbewegungen und dass friedliche Koexistenz oder gar Kooperation darin eine größere Rolle spielten als gewaltsame Konflikte und Aggression. Im Gemeinsinn sieht Falcke eine „anthropologische Konstante“. Er findet: „Das soziale Miteinander des homo sapiens ist eine seiner Stärken.“
Um der Polarität des Buchtitels gerecht zu werden, kam Joachim Frank schließlich auf den Klimawandel zu sprechen und räumte ein, dass Klimakatastrophen immer auch Evolutionstreiber gewesen seien. Doch was sind die Lehren aus dieser Erkenntnis? Heino Falckes Antwort fiel ein wenig ernüchternd und herausfordernd aus: „Das einzig Konstante in der Erdgeschichte ist der Wandel!“ Dennoch bekannte er: „Ich bin grundsätzlich optimistisch!“ Als Astrophysiker denkt er schließlich in ganz anderen – nämlich kosmischen – Zeiträumen: „Am Ende sind wir Klimaüberlebende. Das, was wir jetzt tun, beeinflusst das Leben vielleicht für Millionen Jahre.“
Bevor FALCKE den Abend musikalisch ausklingen ließ, hatte der Autor das Schlusswort. Heino Falcke appellierte an die Verantwortung, die aus unserer Einzigartigkeit (als Species und als Individuen) erwächst und gab sich im Hinblick auf die Zukunft optimistisch: Wir könnten Hoffnung schöpfen aus den Erfahrungen der Vergangenheit. Auch teile er nicht die negative Sicht auf den Menschen, die sich in Teilen der Klimabewegung etabliert habe. Der Mensch sei, wenn schon nicht die Krone, dann doch so etwas wie „die Baumkrone der Schöpfung“.
Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke
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