Verwaltungsgebäude, Andreaskirchplatz 1 in Brühl-Vochem 02232/15101-0

Seitenansicht des Verwaltungsgebäudes in Brühl-Vochem, Andreaskirchplatz

(Bericht und Fotos: Rita und Reinhard Radloff)  - Click on the pics for enlargement! -

Montag 12.8.  Zwölf-Stunden-Fahrt nach Bukittinggi

Schon um 6.00 Uhr geht es los, weil wir 10 bis 12 Stunden Fahrt vor uns haben. Benny Hutahaean, den Reinhard bisher nur als Facebook-Freund kannte, hat uns angeboten die Strecke ins streng islamische Westsumatra zu führen – obgleich er selber noch nie dort war. Aber Benny hat sich informiert und Kontakt zu HKBP-Pfarrern aufgenommen, die in Bukittinggi arbeiten und leben. Er hat gerade seine Ausbildung als Gemeindediakon (Teacher-Preacher) der HKBP-Kirche beendet und jetzt Urlaub genommen, um mit uns diese andere Kultur kennen zu lernen. Benny hat ein sechssitziges Auto für die geplante Woche gemietet, sowie einen  Profi-Fahrer, der zurzeit arbeitslos ist.

Vor unserer Abfahrt besuchen uns Maida, Merry und Florida noch kurz und bringen eine große Lunch-Box mit, geschwisterliche Fürsorge. Wir haben auch noch den großen Kuchen von Harlin und seiner Familie dabei, den er uns am Vorabend vorbeibrachte.

Zu Beginn der langen Fahrt haben wir schlechte Straßenverhältnisse, streckenweise geht’s nur im Schritttempo voran. Die Straßenbauverwaltung hat noch viel zu tun, bevor in wenigen Wochen die Regenzeit beginnt. Dann wird die Straße bodenlos…. Wir erinnern uns an die ersten Indonesien-Erfahrungen vor 30 Jahren in Südsumatra …. 

Wir kommen an diesem Tag durch landschaftlich sehr schöne Strecken entlang des Barisan-Gebirges, das sich durch ganz Sumatra von Nord nach Süd erstreckt. Immer wieder fahren wir an Flüssen und Reisfeldern entlang, um bewaldete Bergkuppen und über Hochflächen. Wir tauchen aus dem Frühnebel auf und haben dann einen sonnigen Tag. Schnell wird es heiß, wenn wir in die Niederungen und Sumpfgegenden kommen. Nach vielen Stunden ist unser Fahrer ermüdet und Benny wechselt ihn ab, auch er ist ein sicherer Autofahrer. -  Die Stecke nach Bukittinggi ist nur 350 km weit, aber der „Transsumatra-Highway“ ist sehr kurvig und meistens nur mit einer Spur pro Fahrtrichtung. Wie wir es schon von der Strecke Medan nach Balige und Tarutung kennen (ebenfalls Transsumatra-Highway) teilen sich in diese eine Spur alle Verkehrsteilnehmer: PKW und Lastwagen, Schulkinder und Fußgänger, Motorräder und (selten genug) auch Radfahrer.

Zehn Stunden nach der Abfahrt überqueren wir den Äquator. Reinhard hat es vorher auf der Straßenkarte gesehen. Da Benny noch nie weiter südlich war als bis nach Sibolgar, ist es für ihn die erste Querung des Äquators. Reinhard überredet ihn sich mit Mineralwasser „taufen“ zu lassen, wie es früher alle Europäer machten wenn sie (meist zu Schiff) das erste Mal auf die Südhalbkugel wechselten. Am Straßenrand werden T-Shirts verkauft als Erinnerung an den Äquator. -   Unterwegs begrüßen uns „deutsche“ Fahnen: Schwarz-Rot-Gold sind anscheinend die Nationalfarben Westsumatras! Immer wieder sehen wir sie in den nächsten Tagen.

 

 

Je weiter wir nach Süden kommen, desto besser werden die Straßen, aber am Nachmittag kommt Nieselregen auf, Bukittinggi liegt hoch, ca. 1000 m überm Meer. Als wir ankommen wird es  schon dunkel. Benny und unser Fahrer kennen die Stadt nicht, also wird mit Pastorin Agustina Simaremare mehrfach  telefoniert, bis sie schließlich einen Freund auf dem Motorrad zu uns schickt, der uns durch den dichten Autoverkehr zu Kirche und Pfarrhaus lotst. Kurzes Kennenlernen von Agustina und Pfarrer Nababan, dann ins nahe gelegene Hotel „Dymont“. Das vorbestellte Standardzimmer für 32 Euro ist belegt. „Wir haben touristische Hochsaison, sie müssen ein teureres Zimmer nehmen.“ Es ist die Woche nach Idul Fitri, Abschluss des Ramadan. Also nehmen wir das Luxuszimmer für 43 Euro. Morgen um 12 Uhr können wir aber umziehen in einen einfacheren Raum, wenn wir wollen.

Dienstag 13.8.  Sightseeing in Bukittinggi

Unser Auto braucht eine Wartung und neue Bremsen, also erkunden wir Bukittinggi (BT) zu Fuß. Wir begrüßen das nach der langen Fahrt gestern. Agustina führt uns zur „Großen Mauer“ von BT. Die Stadt wurde zur Kolonialzeit der Holländer auf einem Hochplateau errichtet, das von einem tiefen Tal mit steilen Wänden durchschnitten wird. Links und rechts des Tals entwickelte sich die Stadt. Früher führten schmale Fußpfade runter ins Tal mit seinen Reisfeldern. Kürzlich hat die Stadtverwaltung daraus einen breiten, mit Pflastersteinen ausgelegten Fußweg gemacht, auf dem jetzt hunderte von Menschen hinabsteigen, den schmalen Fluss unten mit einer Hängebrücke queren, und auf der anderen Seite steile Treppen hinaufsteigen.

 

 

 

Diese Treppen sind in Anlehnung an die Große Chinesische Mauer auch mit einer Begleitmauer versehen. Auf der anderen Seite des Tales angekommen, gibt es erfrischenden Tee oder süße Kaltgetränke, dann wieder denselben Weg zurück, wenn man kein Taxi bestellt hat, das einen abholt. Wir staunen mit welcher Begeisterung ganze Schulklassen, Großfamilien, Frauengruppen und Männer die Strapaze auf sich nehmen, wo doch sonst die städtischen Indonesier eher bewegungsarm leben. -  Auf dem Rückweg besichtigen wir eine große Stollenanlage, die die japanischen Besatzer im 2. Weltkrieg in den weichen Felsen gegraben haben (oder von Kriegsgefangenen graben ließen), auf dem der eine Teil BTs steht. Viele parallele Stollen haben als  Befehlszentrale, Cafe, Kino, Munitionslager, oder als Gefangenenlager etc. gedient.

Wieder den kühlen und feuchten Stollen entstiegen, lassen wir uns von einer kleinen Pferdekutsche, Bendy genannt, zurück zum Hotel fahren. Vier Indonesier passen hinein, plus Kutscher, aber für zwei große Europäer und  Benny, Agustina und Kutscher wird es sehr eng… - Nachmittags gehen wir zum „Fort de Kock“, einer alten Verteidigungsanlage mit Kanonen auf dem zentralen Hügel über der Stadt. Viele Vogelkäfige, ein kleiner Zoo mit Elefanten, ein tierkundliches Museum mit verstaubten, ausgestopften Tigern, Hirschen, und anderen Tieren aus den früheren Urwäldern, sowie ein Aquariumsbau haben hunderte von indonesischen Touristen angelockt. Uns interessiert da eher ein Traditionshaus und Museum der hiesigen „Minangkabau“, diesem handelstüchtigen, islamischen Volk, wo aber die Frauen das Sagen haben! Zwischen den Bäumen und auf den Wiesen ringsum lagern sich ganze Völkerschaften und hinterlassen viel Müll!

  Immer wieder werden wir angesprochen, man will Familienfotos mit uns exotischen „Langnasen“  machen. Wir überragen die Indonesier meist um Haupteslänge. Anfangs fühlen wir uns geehrt, nach dem zehnten Gruppenfoto wird es langsam lästig… Hier in der streng islamischen Provinz Westsumatra tragen fast alle Frauen und Mädchen Kopftücher und leichte Umhänge, aber zum Glück nicht schwarz sondern weiß oder farbig.

Im Geburtshaus von Mohammed Hatta (geb. 1902, später in 1947 wurde er der stellvertretende Gründungspräsident der Republik Indonesien) werden wir zurück versetzt in die Zeit vor dem 1. Weltkrieg… Ein sehr luftiges Haus aus Bambuswänden und Strohmatten, durch die der Wind weht.

Mittwoch, 14.8.  Singkarak-See und Wasserfall Lembah Anai  Sumbar

Wir fahren mit Benny und Pastorin Agustina nach Padangpanjang und zum Singkarak-See südlich von BT. Landschaftlich schön gelegen, aber die Ufer sind verdreckt mit viel Abfall. Hier wurden wohl kürzlich viel gefeiert anlässlich des Idul Fitri-Festes…  Auf der Rückfahrt suchen wir ein ursprüngliches Minangkabau-Dorf, das es laut Straßenkarte geben soll… In einem Dorf abseits der Straße sehen wir viele verfallene Häuser, die zwar ursprünglich aussehen, aber in sehr schlechtem Zustand sind. Bei einem Haus, das noch bewohnt ist fragen wir, ob wir fotografieren dürfen. Eine alte Dame lädt uns ein reinzukommen.

Drinnen begrüßt uns ihr Sohn, sehr gut Englisch sprechend. Er ist Universitätsprofessor in der Provinzhauptstadt Padang. Jetzt hat er eine Ferienwoche bei seiner Mutter, arbeitet neue Kurse aus. Deshalb hat er leider keine Zeit, uns weiter rumzuführen…. Aber das Wenige, was er über seine Familie und sein Dorf berichtet, macht uns die alte, vorislamische Kultur anschaulich.

 

  Ein kürzlich wieder aufgebauter Königspalast bei …. zeigt uns die typische Dachform der Minangkabau-Häuser mit vielen Giebelspitzen, die an Büffelhörner erinnern. Beim Mittagessen unterwegs, in einem typischen Padang-Restaurant,  gibt es eine große Auswahl verschiedener Gemüse- und Fleischgerichte mit Reis, aber KEIN Schweinefleisch, die Padang-Leute sind ja strenggläubige Moslems. Es wird nur das berechnet, was auch gegessen wurde, das andere wird abgeräumt und dem nächsten Gast vorgelegt. Sehr praktisch, weil hier andere Hygiene-Vorschriften gelten als in Deutschland. Und gegen eventuelle Keime hilft die große Chilli-Schärfe in allen Gerichten…. Für sechs Leute bezahlen wir umgerechnet 28 Euro, einschließlich Mango-Saft, für uns günstig, aber für hiesige Menschen viel Geld. 

  Später finden wir doch noch das angegebene Minangkabau-Dorf, das sich als Freilichtmuseum herausstellt, und wo wir viele alte Fotos und Gegenstände des früheren täglichen Lebens sehen. Hier kann man sich als landestypisches Hochzeitspaar verkleiden und fotografieren lassen. -  Weiterfahrt zum Wasserfall Lembah Anai Sumbar über abenteuerliche Straßen, abschüssig und steilansteigend. Ein Autostau wird von neugierigen Gaffern verursacht, die neben der Straße einen Abhang hinunter starren, wo anscheinend erst vor wenigen Minuten ein Auto abgestürzt ist. Wir sind dankbar für alle Bewahrung auf den Fahrten bisher. Den Fluss entlang gibt es immer wieder Badestellen, Schwimmbecken, Kinderspielplätze, in diesen Ferientagen alle dicht bevölkert. Eine alte Zahnradbahn aus holländischen Zeiten verläuft, von der Küste bei Padang kommend, durch das enge Flusstal, über Brücken und durch Tunnels, hoch bis nach Padang Panjang und zum Singkarak-See. Die Bahnlinie wird aber seit Jahren nicht mehr genutzt.

Viel Touristentrubel empfängt uns am Wasserfall. Erinnerungsfotos mit Benny und Agustina. Jugendliche und Familien gesellen sich dazu, wir sollen mit auf ihre Fotos. Wir staunen, wie viele Kameras und Kamera-Handys es auf Sumatra inzwischen gibt. -  Bei sehr dichtem Verkehr kommen wir am Frühabend in BT wieder an. Sammlung und Ruhe im Hotel tun uns gut. Benny und Agustina fühlen sich nicht mehr verpflichtet, uns zu den Abendessen und Frühstücken zu begleiten, anders als bei unseren Partnerbesuchen in Balige und Tarutung, wo wir niemals alleine waren. Dafür bekommen wir in der Hotelnacht Besuch. Ein Knistern und Knabbern weckt uns beide. Beim Lichteinschalten huschen zwei Ratten schnell unters Bett. Sie wurden wohl von den Essensresten in der großen Lunchbox aus Tarutung angelockt. Also stellen wir die Box auf den Kühlschrank. Am nächsten Morgen sehen wir, dass das Toastbrot durch die Maschen der Box angeknabbert wurde…. Was tun? Umziehen im Hotel? Wahrscheinlich sind die anderen Zimmer auch nicht tierfrei….  Also bleiben wir bis zur vorgesehenen Abreise in unserem ansonsten komfortablen Luxuszimmer mit Untermietern.

Donnerstag, 15.8.  Maninjau-See und Haus-Gottesdienst in Padangpanjang

Morgens um 8 Uhr hat uns Pfarrer Nababan zu sich ins Pfarrhaus in BT eingeladen. Auf Nachfragen erzählt er von den Spannungen mit Muslimen. Christen werden hier, im streng islamischen Umfeld nur geduldet, sie dürfen keine Kirchen oder Gemeindehäuser bauen. Die hiesige Kirche stammt noch aus der Zeit der Holländer. Es werden schon mal Steine gegen die Kirchenfenster geworfen. Die Strategie der christlichen Gemeinden heißt hier: Nicht im eigenen Saft schmoren, sondern rausgehen zu den „Anderen“, auf Jesus schauen und Gottes Wort befolgen.

Wir fahren mit Benny und Agustina zum Maninjau-See, westlich von BT, ca. zwei Stunden entfernt. Über Bergketten und zu Tälern hinunter, auf der anderen Seite wieder hinauf. Silitonga, unser Fahrer aus Tarutung, fährt sehr vorausschauend und hupt laut vor jeder Kurve. Schließlich geht es steil hinab zum See über 44 Haarnadelkurven. Schöne Höhenblicke zum See hinab. Wir sehen viele kleine und große Moscheen unterwegs. Am See halten wir eine kleine Rast und fahren weiter um das Nordufer zur Westseite des Sees. In einem aufgeständerten Bambus-Restaurant bei freundlichen Leuten probieren wir die kurze Speisekarte durch und testen die Toilette im Freien hinter einem Mäuerchen, bei viel Frischluft.

Auf der Rückfahrt nach BT möchte Pastorin Agustina in einem Dorf an der Ostseite des Maninjau-Sees eine Batak-Familie besuchen, die zu ihrer Gemeinde gehört, es aber nur alle vier Wochen schafft zum Gottesdienst in BT zu kommen. Der Familienvater ist Polizist und wird alle paar Jahre von einem Teil Sumatras in den anderen versetzt. Im Umfeld gibt es nur eine andere christliche Familie. Die Freude ist groß über unseren Besuch. Mit dem auch in Deutschland bekannten Lied „Dalam Yesus kita bersaudara“ (In Jesus sind wir Geschwister und eins…) und einem gemeinsamen Gebet verabschieden wir uns.

Gegen  16 Uhr sind wir zurück im Hotel. Das geplante Einkaufen lassen wir sein, weil der Stadtverkehr zu dicht ist und die Fahrt lange dauern würde. Am Abend wollen wir an einem Hausgottesdienst außerhalb von BT teilnehmen.

Gegen 19 Uhr Aufbruch nach Padangpanjang, eine mittelgroße Stadt, durch die wir gestern schon gekommen sind. Weil es hier keine Kirche gibt, trifft sich die Gemeinde in einem großen Privathaus. Im Wohnzimmer ohne Möbel haben viele Menschen auf den Matten am Boden Platz. Agustina predigt über die Texte des kommenden Sonntags, Johannes 8 und Galater 5, über die Freiheit, die Jesus schenkt. Davor und danach wird gesungen und gebetet, auch Fürbitten gehalten für Gemeindeglieder in Not. Zum Schluss folgen Austausch und Fragen, Essen wird gereicht, Tee und Wasser. Man nimmt sich viel Zeit für Gottesdienst und Gemeinschaft. Das Leben im islamischen Umfeld ist oft schwierig, trotzdem sind manche Bataker aus ihrer Heimatprovinz hierher gezogen, weil sie sich bessere Verdienst-Möglichkeiten erhoffen. Ihre Treue ermutigt uns, selber wieder treu zu leben an dem Platz, wo wir stehen, und Christus nachzufolgen.

Freitag, 16.8.:   Rückfahrt nach Tarutung und Einladung in die Gemeinde Onan Runggu

Wir brechen früh um 6 Uhr auf zur Rückfahrt nach Tarutung. Unterwegs genießen wir die Berge und Täler bei aufgehender Sonne, die sich durch Nebelschwaden hindurch kämpft. Im Grenzbereich zwischen der islamischen Provinz Westsumatra und den christlichen Gebieten in Nordsumatra kommen wir an einem martialischen Monument vorbei, das an die Feldzüge des Islamisten Tuhanku Rao und seiner Horden zwischen 1816 und 1819 erinnert. Er versuchte den Islam gewaltsam in das  vor-christliche Batakland zu bringen. Letzlich ist aer aber gescheitert und der spätere Weg war frei für die Christianisierung der Batak-Völker durch L. I. Nommensen und andere Missionare aus Deutschland. Auf einer Bildtafel ist dargestellt, wie Tuhanku Rao Menschen abschlachtet…. Gebe Gott, dass Christen und Moslems heute und künftig lernen, besser miteinander auszukommen. 

Abschiedsstimmung kommt auf der weiteren Fahrt auf. Benny reflektiert die gemeinsamen Tage und wir lachen über kleine Episoden. Die langen Fahrten und vielen Erlebnisse haben uns zusammen geschweißt. Benny bittet uns ihn als „Sohn“ quasi zu adoptieren, wie es in der Batak-Kultur üblich ist. Auch er ist uns ans Herz gewachsen und wir hoffen auf weiteren Austausch über E-Mails und Facebook, und dass wir ihn in zwei oder drei Jahren wiedersehen. Er nimmt uns das Versprechen ab dann zu seiner Hochzeit zu kommen….

Als wir diesmal schon nach zehn Stunden das Silindungtal wieder erreichen, ist es ein „Muss“ der Einladung von Benny’s Pfarrer Lumban Tobing zu folgen und einen Abstecher in sein Dorf Onan Ruggu zu machen, wo Benny nach seinem Examen die erste Gemeinde-Anstellung als Diakon bekommen hat. Wie wir es schon aus früheren Treffen kennen, kommen nach und nach viele Presbyter und Gemeindeglieder in die Kirche, wir sitzen ihnen gegenüber auf einer Stuhlreihe vor dem Altar und halten kleine Ansprachen, sollen Fragen beantworten zu Zweck und Inhalt der Kirchenpartnerschaften zwischen Deutschland und Sumatra. „Warum haben wir in unserer Gemeinde noch kein Entwicklungsprojekt?“ – „Was sollen wir tun gegen die Ananas-Krankheit?“ – „Wir haben von den Schüler-Patenschaften gehört. Kann mein Sohn da mitmachen?“ Und so weiter… Lieder werden gesungen. Die körperlich hart arbeitenden Bauern stehen plötzlich auf und singen als Männerchor so schön und melodiös, dass wir es bedauern, sie nicht mit nach Deutschland auf eine Chorreise nehmen zu können… Ein Ehren-Ulos wird uns umgelegt.

Dann werden wir und alle Teilnehmer dieser Fragestunde zum Abendessen in das große Haus eines Staatsbeamten eingeladen. Jetzt verstehen wir, warum so wenige Frauen in der Kirche waren. Sie haben geholfen das Essen vorzubereiten. Mit 30 Personen sitzen wir wieder auf dem Boden, haben gute Gemeinschaft und lassen uns Goldfische und das Batak-Nationalgericht Saksang schmecken. -  Wir fahren wieder eine Stunde durch die Nacht zurück nach Tarutung-Pearaja, ins Gästehaus der HKBP-Kirchenleitung wo wir noch eine Nacht verbringen dürfen, bevor morgen der Rückweg nach Balige, Siantar und Medan angetreten wird. Herzlicher Abschied von Benny und der Pfarrers-Familie, die es sich nicht haben nehmen lassen, uns bis Pearaja zu begleiten. 

Samstag 17.8.  Rückfahrt und Abschied in Balige, Freundes-Treffen in Pematang Siantar

Im Gästehaus Pearaja versammeln sich am Morgen zum gemeinsamen Frühstück und zum Abschied nehmen Praeses (Superintendent) Kardi Simanjuntak mit Frau, Pfarrerin Sondang mit Mann, ihrem Sohn Daniel und der Tochter. Auch Merry und Florida, die treuen Seelen kommen nochmal dazu. Generalsekretär Pfr. Mori Sihombing schaut vorbei, in einer Gebetsrunde wird für sichere Autofahrt gebetet, das beeindruckt uns immer wieder. Wir bekommen Abschiedsgeschenke.

Über Sipoholon und Siborongborong fährt uns Martogi Sitorus, der Partnerschafts-Vorsitzende, in seinem Auto nach Balige. Heute ist aber Nationalfeiertag, der indonesische Unabhängigkeitstag 17. August. Immer wieder begegnen wir unterwegs Umzügen und Feierlichkeiten, in  Siborongborong stehen wir deshalb 1 ½ Stunden im Autostau. Kein Vor- und kein Zurückkommen. Per Handy werden wir dann informiert, dass ähnliches in Balige auf uns wartet, also besser einen Nebenweg zum Krankenhaus nehmen. Das klappt und am späten Vormittag werden wir vom Chor der Diakonissen im Garten der Diakonissen-Schule begrüßt.

Zur Musik wird getanzt und wir machen aktiv mit, den ruhigen Batak-Tanz Turtur. Kuchen und „Regenbogen-Saft“ werden gereicht (aus verschieden-farbigen Früchten), wir tauschen uns über Reiseerfahrungen aus. Zum Schluss überreichen uns die Diakonissen ebenfalls Abschiedsgeschenke (Tee, Kaffee, Tücher) und viele Briefe und Päckchen für ihre Freunde in Deutschland. In ihrer Treue bedenken sie auch die Gasteltern und Freunde, die sie erst im Juli in Frechen, Gymnich und Liblar kennen gelernt haben. Sie sind anhänglich und wollen keinen vergessen.

Weiter geht’s zum DEL-Institut, wo wir vor zwei Wochen die große Absolventenfeier miterlebt haben (siehe Bericht zum 3.8). Heute, am Samstag ist es ruhiger, nur wenige Studenten schlendern über den Campus. Die langjährige Mitarbeiterin Marianna, rechte Hand der Institutsleiterin, führt uns durch die sehr saubere Anlage von Vorlesungssälen, Übungsräumen und Wohnheimen. Auf unser Nachfragen erklärt uns Marianna, wie die Studenten zur Sauberkeit und Müllvermeidung angeleitet werden, und wie sie mit dem verbleibenden Abfall am DEL-Institut umgehen. Kann man da nicht eine Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Balige und seinen großen Müllproblemen herbeiführen?

Wir bekommen noch ein gesundes, schmackhaftes Mittagessen am Institut, dann fahren wir weiter am Tobasee entlang, nehmen bei einer Kaffepause oberhalb von Parapat, mit einem weiten Ausblick, Abschied von diesem wunderschönen Garten Gottes. Gegen 16 Uhr erreichen wir Pematang Siantar, die Universitätsstadt auf halbem Wege nach Medan. Erlina Pardede, Frau eines Dozenten an der Kirchlichen Hochschule STT der HKBP-Kirche, begrüßt uns und zeigt uns das Zimmer im Gästehaus. Bei einem Rundgang über das Campus-Gelände beobachtet Reinhard ein Studentenfest zum Nationalfeiertag und bewundert ihre akrobatischen Wettkämpfe.

 Abends empfängt Ibu Erlina uns und einige Facebook-Freunde aus Siantar in ihrem Haus. Bei einem schönen Dinner kommen wir ins Gespräch mit einigen Studenten, der Lehrerin Mathilda, der Ärztin Maya, dem STT-Dozenten Viktor Tinambunan, auch Obrein, einem Behinderten. -  Die Nacht im Gästehaus ist ruhig, früh morgens wecken uns Hahnenschreie und gackernde Hühner, die im Campus gehalten werden.

 

Sonntag 18.8.  Gottesdienst in Siantar, Rückfahrt nach Medan

Schon um 8.30 Uhr beginnt der erste Gottesdienst in der großen HKBP-Kirche auf dem Campus der Hochschule STT. Vorher ist Reinhard mit Martogi und seinem Fahrer, die auch im Gästehaus übernachtet haben, zum Frühstücken in die Stadt gefahren. Es gibt Kaffee und ein einfaches Hörnchen, ganz europäisch. Rita bleibt im Quartier, sie will am Tagebuch weiter schreiben und genießt die großzügige Campus-Anlage mit alten Bäumen und weiten Rasenflächen.

  Wir sind beeindruckt von mehreren hundert Studenten und Schülern, die sich zu früher Stunde in der Kirche versammeln und wie ein großer Chor Gemeindelieder singen, die auch uns zum Teil vertraut sind.  Zum Gottesdienst sind auch ein paar Facebook-Freunde gekommen, der Student Gilbert, Schüler Boy Benedikt und Obrein, den wir schon gestern Abend trafen. Gilbert und Boy Benedikt, die sehr gut Englisch sprechen, erzählen uns nach dem Gottesdienst noch über ihre Familien und ihre Träume, was sie später studieren wollen.

 

 

 

 

Schließlich werden wir zu Dr. Darwin Lumbantobing, dem Dekan der STT und seiner Frau gebeten.  Wir kennen sie von ihrem Besuch in Köln-Süd, über Pfingsten vor 3 Jahren. Beide hören gerne vom Fortgang der Kirchenpartnerschaft und von unseren Besuchen in Balige und Silindung jetzt. -  Martogi bringt uns mit seinem Auto weiter nach Medan. Unterwegs essen wir in einem Padang-Restaurant, also scharfe islamische Küche. Es schmeckt wieder sehr gut. Aber im Karottensaft, den Rita bestellt hat, schwimmt Eis. Das Wasser hierzu war wohl nicht richtig abgekocht. Jedenfalls ist dies unsere einzige Erklärung für den kräftigen Durchfall, den Rita in der kommenden Nacht durchzustehen hat. Das erste und einzige gesundheitliche Problem, das wir auf dieser Reise erfahren.

Nachmittags kommen wir der Millionenstadt Medan näher, das Wetter wird dunkel und regnerisch. Eigentlich ist es jetzt, Mitte August, zu früh für die Regenzeit, aber ein kräftiges Tropengewitter entlädt sich. Bald stehen die Straßen unter Wasser, die Zufahrtsstraße zu Dr. Irwans Haus, wo wir wieder zum Übernachten eingeladen sind, ist unpassierbar. Autos und Motorräder, die versuchen durch 50 cm hohes Wasser zu fahren, bleiben stecken. -  Als schließlich das Gewitter abzieht, laufen die Wassermassen langsam ab und wir erreichen endlich Dr. Irwan und Sumiaty. Wir sind quasi „zu Hause“, fühlen uns sehr wohl bei ihnen. Abends laden uns Irwan und Sumiaty mit ihrer chinesischen Großfamilie zum Dinner in ein exquisites China-Restaurant mit viel „Seafood“ ein. Reinhard schmeckt es gut, Rita verspürt aber schon Magengrummeln und hält sich zurück .

Montag 19.8.  Rückflug über Singapur nach Frankfurt

Die Nacht ist für Rita sehr unruhig, aber schließlich nimmt sie Medikamente, die den Darm beruhigen. Sehr früh stehen wir auf, weil unser Flug schon um 8.30 Uhr abgeht und wir mindestens 1 Stunde Fahrtzeit zum neuen Flughafen Kualanamu brauchen. Dr. Irwan und Sumiaty fahren uns zum Flughafen. Das Abschiednehmen von Freunden fällt schwer wie immer ….  Die Flüge mit Silk Air nach Singapur (1,5 Stunden) und mit Singapore Arlines weiter nach Frankfurt (12 Stunden) verlaufen gut und ruhig. Hier kommen wir noch am gleichen Tag abends an und haben schnellen Anschluss per ICE-Bahn nach Köln und Erftstadt. Todmüde aber glücklich fallen wir vor Mitternacht in unsere Betten. Wir sind dankbar für alle Bewahrung und Führung in den drei Wochen. Über Facebook und E-Mail erfahren unsere Freunde auf Sumatra, dass wir gut zu Hause angekommen sind.

 

 

 

 

 

Tageslosung 23.05.2018
Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte einnimmt.

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