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Donnerstag, 6. Oktober 2011

(von Pfr. Stefan Jansen-Haß, Brühl;  Fotos von S. J-H. und Reinhard Radloff; Zur Vergößerung der Bilder: Bitte auf diese klicken!)

... und bin dann doch lieber früh aufgestanden! Die Sachen sind schnell zusammengesucht, nur die Ulosse werden zum Problem. Mittlerweile habe ich acht der gewebten Verbundenheitsschals erhalten, alle wunderschön in den traditionellen Batakfarben schwarz, weiß und rot. Nur füllen allein diese bereits mein Handgepäckstück. Wo soll das enden? Wir werden noch einmal nach Balige reisen, auf der Rückfahrt Richtung Medan werden wir noch die Techniker-Hochschule PI-DEL besuchen und Pfarrer Nelson in Berastagi treffen. Da drohen weitere Ulosse ...

DSC06126Noch einmal hat sich Pfarrer Pahala Simanjuntak von seinen normalen Lehrverpflichtungen losgeeist, um uns abzuholen und auf die Reise zu verabschieden. Trotzdem organisiert er seine Fortbildungsstätte (oder seine Familie?) auch während des Frühstücks in Pearaja: Sein Telefon ist im Dauereinsatz. Sobald ein Gespräch beendet ist, klingelt es sofort wieder, als wenn jemand geahnt hätte, dass Pahala in diesem Moment auflegt.

Die Übereinkunft zum Förderprogramm von Schülern und Studierenden, die wir mitnehmen und unserem Kreis-Synodalvorstand vorlegen werden, ist übersetzt und ausgedruckt, Maida bringt sie selbst herein.

Kleinigkeiten werden jetzt noch rasch mit dem Kugelschreiber nachgebessert. Es ist wichtiger, einen belastbaren Text mitnehmen zu können als irgendwen noch einmal an den Computer zu schicken. Martogi Sitorus und Praeses Silitonga unterzeichnen das Papier feierlichfür den Partnerschafts-Ausschuss und den Kirchenkreis Silindung. Reinhard unterzeichnet für unseren Partnerschafts-Ausschuss und Almuth wird dem Kirchenkreis Köln-Süd berichten und auf dortige Bestätigung hinwirken.

DSC06129Es ist an der Zeit, Dinge zu regeln, die bisher asiatisch-unentschieden im Raum hingen. In welcher Form werden wir uns an den Kosten unseres Aufenthaltes beim Kirchenkreis Silindung beteiligen? Bisher war es immer so, dass die Gäste aus Köln-Süd den Haushalt der Partner auf Nord-Sumatra nicht belasten wollten und, obwohl Gäste, die Unterkunft und die Reisekosten für Autos und Fahrer übernommen haben. Martogi schüttelt nur bedächtig den Kopf, als Reinhard ihm die übliche Verfahrensweise der Partnerschaftsbesuche vorschlägt: „ Sie sind unsere Gäste." Die Partnerschaft entwickelt sich weiter, sehen wir. Die Deutschen werden nicht mehr als der reiche Onkel aus Europa gesehen, der Geld mitbringt. Martogi bleibt dabei, den Aufenthalt in Silindung mit allem drum und dran trägt der dortige Kirchenkreis. Und wir sind wirklich Gäste!

Wir werden vor dem Landeskirchenamt verabschiedet. Praeses Silitonga würde gerne beim nächsten Partnerschaftsbesuch nach Köln-Süd kommen. Dafür muss er jedoch noch ein bisschen an seinem Englisch feilen. Ein vollständiger Abschied wird es jedoch nicht. Eigentlich bleiben nur Diakones Maida Siagian, Diakones Florida Limpong und der Superintendent in Pearaja. Pfarrerin Marudur Siahaan, Martogi Sitorus und Pfarrer Pahala Simanjuntak fahren mit nach Balige. Marudur hat einen Termin in der Nähe, Martogi und Pahala wollen wissen, dass wir gut ankommen.

DSC06136Wir verabschieden uns dann herzlich vor dem Ruma Sakit HKBP Balige. Die Koffer werden in den Kleinbus des Krankenhauses umgeladen. Martogi und Pahala steigen ins Auto. Wiedersehen ... irgendwann?  Wir kennen uns ja hier schon aus, deshalb wenden wir uns sofort dem Besprechungsraum neben Dr. Tihar Hasibuans Büro zu. Auch hier: Der Ausschuss ist gut vorbereitet, nur leider gibt es keine gute Nachricht: Es hat noch keinen Kontakt der HKBP-Kirchenleitung zum Krankenhaus gegeben, wie die Zusammenarbeit mit dem Förderkreis MCH in Wetzlar in Zukunft gestaltet werden soll. Dr. Hasibuans Gesicht bekommt Falten – er hat so schon genug Probleme mit Personal- und Belegungszahlen. Saidi Tambunan geht mit Reinhard den Entwurf für die Studierenden-Förderung durch. Auch hier ergeben sich kleine Änderungswünsche, die, so spricht Saidi Tambunan, bis zum Nachmittag eingearbeitet sein werden. Waren es die Holländer oder die Deutschen, die den Begriff „Termin" oder „Deadline" mit nach Indonesien gebracht haben?

Vertraute Gesichter im Ärztezimmer: Kris und Junita vom PI-DEL haben Bereitschaft. Heute Abend sehen wir uns vielleicht in der Hochschule wieder, denn sie bleiben nur selten über Nacht im Krankenhaus, wenn sie keinen Dienst haben, erzählen sie.

DSC06152Diakones Sitjawan Hutahaean, der Spezialistin für Penatencrème, haben wir einen Besuch „ihrer" Kindertagesstätte versprochen. Genau wie der Kindergarten in Hutabarat geht das Projekt auf die Initiative einer einzelnen Diakonisse zurück. Diese selbstlosen und energischen Frauen waren und sind ein Glücksfall für die HKBP. Sie scheinen aber bis heute, auch nach ausgestandener Kirchenkrise, noch immer kritisch beäugt zu werden. Nachher werden wir noch einmal in der Diakonissenschule Kapernaum sein. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, Rosmauli Hutahaean danach zu fragen.  Wir fahren vom Tobasee landeinwärts, kommen vorbei an riesigen Feldern. Immer wieder passieren wir kleine Dörfer. In der Ferne sehe ich Wasserbüffel angepflockt. Ich habe noch kein brauchbares Foto von so einem Tier. Die Zeit wird knapp...

Der Kindergarten liegt ein wenig versteckt auf der Rückseite des Dorfes Hutahaean. Die Kinder wussten offensichtlich, dass wir nahe waren. Eines der unerlässlichen Mobiltelefone wird unsere Ankunft verraten haben. Die Kinder sind nach Gruppen aufgestellt und singen und tanzen für uns. Manche Kinder tragen deutlich Spuren von schlecht verriebener Penatencrème im Gesicht. Ist das Absicht?  Einige Eltern oder Großeltern haben es sich auf einer Bank im Schatten gemütlich gemacht und schauen dem Treiben zu. Natürlich können nur diese Verrückten Langnasen auf die Idee gekommen sein, in der Mittagszeit im Auto herumzukutschieren. Ein Huhn quert gackernd den Spielplatz der KiTa. Diakones Sitiawan hat Mandarinensaft gepresst und lädt uns in ihr kleines Büro im Gebäude des Kindergartens ein. Die Diakonisse gehört noch zur alten Generation, spricht also deutsch. Nach vielen Bekannten aus Deutschland will sie sich erkundigen, für einige gibt sie uns Geschenke und Briefe mit. Während sie mit Reinhard über alte Partnerschaftszeiten plaudert, versucht Almuth ihrer Tochter per Telefon zum Geburtstag zu gratulieren. Aber erst Sitiawans Telefon stellt eine Verbindung nach Deutschland her. Auch in Bahasa Indonesia muss es ein Wort für Funkloch geben.

DSC06164Am Ortsausgang steht ein einsamer Wasserbüffel, der den Straßenrand abgrast. Heureka! Die anderen brauchen sowieso noch Zeit, um sich zu verabschieden, ich laufe voraus zum Rendezvous mit Büffel, mache einige vorteilhafte Portraitaufnahmen und lasse mich vom Auto aufsammeln. Das hätte kaum besser laufen können.  Wir fahren weiter zum HKBP Behindertendorf Hephata. Noch immer liegt das mehrfach behinderte Waisenkind Moses im Krankenhaus in Balige. Dort wird er zwar versorgt, aber therapeutisch kann dort für ihn nichts getan werden. Eine Behinderteneinrichtung für Kleinkinder fehlt gänzlich. Vielleicht ist dieses Behindertendorf für Moses Zukunft eine Möglichkeit?

Ich bin überrascht. Wir finden eine weitläufige Einrichtung, die sich um einen von gepflegten Pflanzen bewachsenen Platz reiht. DSC06165Gut gepflegte Wohnhäuser, einige sogar deutlich Neubauten, bilden eine Reihe, Gemeinschaftsräume und Arbeitsgelegenheiten stehen denen gegenüber, dazwischen eine eigene Kirche. Die Verwaltung von Hephata und die Mensa schließen das Gelände ab. Lüdenscheid-Plettenberg kommt uns entgegen. Die Delegation des Kirchenkreises hat sich für eine längere Partnerschaftsreise durch das Batakland entschieden und ist nun gerade heute – Zufälle gibt's – hier. Wir gehen zu einem gemeinsamen Gebet in die Kirche, die einen bitten um den Reisesegen, die anderen werden willkommen geheißen. „Lasst Euch die Ferkel zeigen!" ist der letzte Hinweis aus Lüdenscheid-Plettenberg. Wahrscheinlich die Hitze ...

Wir werden durch die Einrichtung geführt. Ein offensichtlich hoch motiviertes Team mit Pfarrer Osten Matondang und einer Diakonisse als Leitung hat die Behindertenarbeit verinnerlicht und mit einem tragfähigen Konzept unterfüttert. Es geht nicht nur um Beschäftigung der geistig und körperlich behinderten Menschen, sondern um die Möglichkeit, sich selbst versorgen zu können. Aus jedem Haus (wir würden wohl Wohngruppe sagen) soll sich jeder Mensch nach seinen Wünschen und nach seinen Fähigkeiten einbringen. DSC06172Es werden Hühner und Schweine gehalten (Gruß nach Lüdenscheid-Plettenberg: Ja, wir haben die Ferkel gesehen!), Obst und Gemüse angebaut, Handwerkstätigkeiten vermittelt und ausgeführt wie Besen und Bürsten binden sowie ausgediente Motoren zu demontieren. Echte Therapie für die Menschen in Hephata sei noch im Aufbau, sagt uns der Pfarrer, aber das müsste als nächstes unbedingt drankommen. Vielleicht gibt es ja dann für Moses hier Platz. Und hoffentlich wird dieser Pfarrer Osten bei der nächsten Pfarrstellenrochade nicht abgelöst!

Zurück in Balige haben wir ein weiteres Versprechen einzulösen und die Diakonissenschule Kapernaum noch einmal zu besuchen. Diakones Rosmauli Hutahaean begleitet uns hin, durch die Räume führt uns Schwester Tiu. Die Diakonissenschule Kapernaum ist mit zweistöckigen Gebäuden im Rechteck um einen Blumengarten gebaut. Wir besichtigen die Schulungsräume (Tageslichtprojektor, Whiteboard) und die Bibliothek mit medizinischer und sozialwissenschaftlicher Literatur. DSC06196Auch eine Bibelausgabe in Blindenschrift haben die Diakonissen vorrätig. Vor den Schlafräumen stehen die üblichen Schuhregale, die hier ausgesprochen bunt gefüllt sind. Die Privaträume der Schülerinnen sind für Reinhard und mich tabu, Almuth darf einen Blick hineinwerfen: Wie in der Jugendherberge, sagt sie. Überall werden wir von lächelnden jungen Frauen begrüßt, alle tragen die adrette weiße Tracht der Diakonissenschülerinnen. Rosmauli zeigt uns den Flur, in dem die Zimmer der Diakonissen liegen. Jede hat Kapernaum zugehörige Diakonisse, auch die Seniorinnen oder die in einem Außenbezirk tätigen, hat hier einen eigenen Raum, ob sie ihn nun wirklich nutzen oder nicht. Sie gehören zur Gemeinschaft. Wir wenden uns dem Durchgang zu, der uns wieder in Richtung Krankenhaus bringt. P1040623Die Diakonissenschülerinnen haben sich im Durchgang aufgestellt und singen für uns. Niemand dirigiert, niemand gibt Einsätze. Es ist ein großartig eingespielter mehrstimmiger Choral aus 40 Frauenkehlen. Der Prophet Jesaja kann im Tempel von Jerusalem nichts anderes gehört haben als die Schülerinnen von Kapernaum. Jetzt ist auch der erhebende Gesang im Gottesdienst des Ankunftstages kein Geheimnis mehr: Mit 40 sangesfreudigen angehenden Diakonissen unter 25 Jahren muss ein Gottesdienst ja anrühren.

Wir treffen alle zum Mittagessen beim Chinesen. Wer in Indonesien gut essen will ... Die Mitglieder des Partnerschaftsausschusses Saidi Tambunan, Dr. Tihar Hasibuan, Schwester Lamria von der AKPER Balige, Diakones Rosmauli Hutahaean und Krankenhauspfarrerin Gultom. Herr Dr. Irwan Wirya, ehemaliger Chefarzt am Krankenhaus Balige hat seine Frau Sumiaty mitgebracht. Aber viel Zeit zum Plauschen ist nicht. Der Ausschuss muss tagen und die Zukunftspläne unter Dach und Fach bringen sowie eine Nachricht für die deutschen Partner mitnehmen, wie das Krankenhaus sich in Zukunft aufstellen will. DSC06206Saidi Tambunan hat die Papiere vorbereitet und zeichnet sie ebenso feierlich wie der Praeses in Silindung vor Zeugen und Kameras ab. Der Partnerschaftssonntag wird auch mit Balige für den Trinitatissonntag 2012 vereinbart. Gebetsanliegen für die Adventszeit sollen gegenseitig bis Mitte November übermittelt werden. Dr Tihan verspricht, sich noch einmal um ein Votum der Kirchenleitung zur Zukunft des Krankenhauses zu bemühen. Das kann man ihm glauben.

Von Dr. Tihar und Schwester Lamria und Pfarrerin Gultom verabschieden wir uns, Saidi und Rosmauli wollen am letzten Tag zum Flughafen kommen. Das Gepäck haben wir den Tag über im Kleinbus des Krankenhauses gelassen, der uns jetzt zum Politeknik Informatika DEL nach Laguboti bringen wird. Pfarrerin Marudur Siahaan wird uns noch begleiten, sie hat dort in der Nähe etwas zu tun. Wie sie dann weiterkommt, wird sich zeigen. Indonesier sind da nicht so.

Reinhard hat die „Mutter" der Hochschule, Dr. Ingriani Liem, bei einem früheren Besuch kennengelernt. Sie hat einen respektablen Lehrstuhl verlassen, um ab 2001 die polytechnische Hochschuhle DEL aufzubauen. Mittlerweile führen andere die Akademie. In PI-DEL trägt „Dr. Inge" jetzt den schönen Titel „ Arsitek Kurikulum PI-DEL"

DSC06208Der Campus liegt traumhaft schön auf einem Plateau über den Ufer des Tobasees. Eine Art Fjord bildet einen Einschnitt, so dass das gegenüberliegende Ufer zum Greifen nah erscheint. Unter uns ziehen sich Reisfelder hin, einige Wasserbüffel sind neben ihren Schlammlöchern angepflockt. Eine großzügige Empfangshalle begrüßt uns, an deren Wand ein Schild mitteilt, dies sei eine Zone, in der nur Englisch gesprochen werden dürfe. Man hat uns im neuen Gebäude der Hochschule untergebracht, in dem sonst Gastprofessoren wohnen. Ein wohnliches Appartement mit Balkon nach Westen. Die Sonne geht über dem See unter und taucht die Uferzone in ein gold-grünes Farbspiel. Die Wohnung selber entspricht allen westlichen Standards und demonstriert den Geist von DEL: Indonesien braucht Anschluss an die westlichen Industrienationen.

Pfarrerin Marudur ist weg. Sie wollte eigentlich nach einer Übernachtungsmöglichkeit im PI-DEL fragen. Die Leiterin der Unterkünfte ist ebenfalls Pfarrerin und mit Marudur bekannt. Es hat sich eine Mitfahrgelegenheit ergeben mit jemandem, der in die Nähe von Marudurs Heimatdorf fahren wollte. Die Gelegenheit hat sie dann spontan ergriffen. Wie sie dann weiterkommt, wird man sehen. Indonesier sind da nicht so.

Die PI-DEL lehrt IT-Berufe bis zum Bachelorabschluss, danach ist weitere auch disziplinübergreifende Förderung und Schulung möglich. Junita und Kris sind eigentlich Mediziner, haben aber dennoch Kurse an der PI-DEL belegt. Das Ziel, so erklärt Dr. Inge später, sei aber nicht nur Ausbildung, sondern auch Erziehung, wie bei einem amerikanischen Privatcollege. Natürlich sei PI-DEL eine Eliteschule. Die Gebühren sind hoch, es gibt aber Stipendien für Arme.  DSC06253Aber zu PI-DEL gehört auch das gemeinsame Wohnen in Mehrbettzimmern ohne Türen zur sozialen Kontrolle, die gemeinsame Freizeit mit Sport und Musik und die gemeinsame Verantwortung für die Gebäude, den Campus und das soziale Leben in der Hochschule und darüber hinaus. PI-DEL betreibt zum Beispiel eine mobile Computereinheit, die an den Wochenenden in die Dörfer der Umgebung gefahren wird. Die Studierenden bieten dann dort Computer- und Internetkurse an und berichten über frei zugängliche Programmanwendungen. Dazu gehören auch christliche Werte, die die Studierenden achten müssen. Zu jeder Mahlzeit gehört ein Tischgebet, das eine Studentin oder ein Student über die Mikrophonanlage für die ganze Mensa betet. Muslime sind an der Hochschule willkommen, müssen diese Regeln aber achten. PI-DEL hat einen hohen Zulauf: Auf 80 freie Plätze pro Semester kommen 400 Bewerbungen,

DSC06225Dr. Inge Liem führt uns über den ganzen Campus. Vor den Unterrichtsräumen stehen, wie üblich, lange bunte Schuhreihen, so dass man sofort sieht, wo Unterricht ist. Perfekte Ausstattung: Ein Bildschirmarbeitsplatz für jede und jeden. Eine professionelle Präsentation informiert uns über die Qualitäten von PI-DEL – wenn wir besser indonesisch verstünden ... Wir sehen Sportanlagen, die Aula und die Unterkünfte der Studierenden. Wieder ein Frauentrakt, wieder nur Almuth. Herrenbesuch unerwünscht.

Wir gehen hinüber zur Mensa, wo uns ein Gewusel von Studierenden begrüßt. Das System, nachdem wer wo was isst, bleibt mir verborgen. Es muss aber eines geben. Für die Gäste ist besonders gekocht worden, deshalb kann ich über die Qualität einer indonesischen Hochschulmensa leider nichts mitteilen. Wir treffen beim Essen aber Vertreter von Pfingstgemeinden, die ein Treffen in der Nähe von Laguboti hatten. Kris und Junita kommen tatsächlich auf einen Plausch vorbei.

Das Gästehaus hat eine große Gemeinschaftsküche. Dr. Inge hat den Kühlschrank für uns füllen lassen. Da sie eine Zeit in Europa war, kennt sie sich aus mit „continental breakfast". Vor allem hat sie eine Kaffeemaschine für uns bereitgestellt und aus ihrer eigenen Küche den Toaster mitgebracht. In meinem Zimmer habe ich einen Internetzugang entdeckt. Es fehlt nur das LAN Kabel. Ob das zu beschaffen ist? Dafür haben wir hier einen Dienst, erhalte ich zur Antwort. Die Studierenden der höheren Kurse haben Schichten für den Computernotdienst eingerichtet. Dr. Inge telefoniert. Nach kaum einer Viertelstunde stehen eine Studentin und ein Student in der Küche, die nicht nur das Kabel mitbringen, sondern auch noch freundlich darauf bestehen, den Zugang einrichten zu dürfen. „Effizient, höflich, flott", fasse ich zusammen, als mich Dr. Inge nach der Qualität des Services fragt. „So soll es sein," gibt sie zurück – aber stolz war sie doch, glaube ich.

DSC06238Beim Kaffee gerät Dr. Inge ins Philosophieren über die gegenwärtige Gesellschaft im Batakland. Was wäre, wenn man die Geldwirtschaft im Batakland abschaffte, so dass jeder Mensch nur von dem leben müsste, was er an eigener Leistung bzw seiner Hände Arbeit erzielte? Was würde es bedeuten, wenn ein eigener Grundbesitz im Batakland nicht erlaubt wäre, sondern das Land der Allgemeinheit gehörte. Aber natürlich: Ohne das Großkapital und den Einfluss im Hintergrund, wäre es nie zu einer Schule wie PI-DEL gekommen.

Almuth und Reinhard hängen sich eine Stunde ins Netz, senden E-Mails an die Lieben und gucken auf das Facebook-Konto. Dann ist endlich Ruhe. Ich starre ein wenig hinaus in die indonesische Nacht, mache noch ein paar Notizen für dieses Reistagebuch, hoffe, dass Marudur gut angekommen ist. Umgepackt wird morgen, wir fahren dann mit kleinem Gepäck hinüber nach Samosir, der großen Insel im Tobasee.

Fortsetzung folgt in ca. 14 Tagen !