Verwaltungsgebäude, Andreaskirchplatz 1 in Brühl-Vochem 02232/15101-0

Seitenansicht des Verwaltungsgebäudes in Brühl-Vochem, Andreaskirchplatz

Samstag, 1.10.2011 

(von Pfr. Stefan Jansen-Haß, Brühl;  Fotos von S. J-H. und Reinhard Radloff)

DSC05933Bei Sonnenaufgang ruft der Muezzin, um 7 Uhr läuten die Glocken der Kirchen. Aufwachen fällt hier leicht. Das Frühstück ist für uns im Gästehaus der HKBP in Pearaja vorbereitet. Pahala kommt aus Sipoholon herüber und holt uns wieder mit dem Auto ab. Dass er eigentlich mit den Vorbereitungen für den Gottesdienst völlig ausgelastet sein müsste, der ja vor seiner Haustür stattfinden wird, wird uns erst später klar. Er wechselt einige Worte mit unserem Guard, der auf einem grauen Moped auf uns wartet. Tatsächlich eskortiert uns Sembiring bis nach Pearaja und wartet dort, bis wir zurückfahren. Wir durchqueren Tarutung. Pearaja liegt auf einer Anhöhe etwas über dem Tal. Neben der Kirche, die der Kirche in Unterbarmen nachempfunden ist, liegen die Gebäude des Kirchenkreises und der Landeskirche auf dem Gelände nebeneinander, dazu Wohnhäuser für Mitarbeitende und die Mitglieder der Kirchenleitung. Im Gästehaus der Landeskirche sind die afrikanischen Kirchenführer und Bischöfe untergebracht, die die Jubiläumsgrüße der afrikanischen VEM Partner überbringen werden. Auch für sie hat die HKBP ein Besuchsprogramm ausgearbeitet, auch um sie müssen sich Marudur, Pahala und Maida kümmern, abgesehen von den insgesamt sieben Partnerschaftsdelegationen, die aus der Evangelischen Kirche im Rheinland angereist sind.

Maida trifft uns am Frühstückstisch. Nasi goreng (gebackener Reis), wer mag. Es gibt aber auch Toast, wer mag. Satt machen aber allein schon die frischen Obstsäfte: So schmeckt Mango wirklich. Maida bestätigt: Am späten Vormittag sollen alle Delegationen aus Europa und Afrika in einem gemeinsamen Festakt mit Mittagessen von der Landeskirche begrüßt werden. Jede Delegation soll sich dabei mit ein paar Worten vorstellen. Almuth ist vorbereitet. Nur erzählen, wer man ist, woher man kommt und wie lange schon dabei, ist öde. Ein Lied, das sie gestern Nacht während der Sembiring-Krise gedichtet hat, wird den Kirchenkreis Köln-Süd vorstellen. Zuerst wird uns Pahala nach Hutabarat zum Kindergarten „Pelangi Kasih" (Regenbogen) bringen. Reinhard hat den Besuch dort versprochen, und ich habe ein besonderes Geschenk von der Brühler Kindertagesstätte „Unterm Regenbogen" mitgebracht.

DSC05607Hutabarat ist ein versteckt gelegenes Dorf am Rand des Silindungtals. Pahala verfährt sich und findet eine Zufahrt, die eher für Ziegen als für ein Auto geeignet ist. Schließlich erreichen wir das Haus von Diakones Bonaria Hutabarat. Sie stammt von den Clanchefs ab, die diese Ortschaft gegründet und die Einwohner organisiert haben, weshalb ihr das Dorf sehr am Herzen liegt. Mit Schwester und Bruder lebt sie im Elternhaus dem Kindergarten gegenüber. Schwester Bonaria begegnet uns als gewandte und weltoffene Frau. Im Garten ihres geräumigen Hauses zeigt sie uns den Prototyp der Clean-Water-Projekte, die der Kirchenkreis Köln-Süd durch den Partnerschaftsausschuss im Kirchenkreis Silindung fördert: Eine Bohrung wurde bis in die grundwasserführenden Schichten niedergebracht, das Wasser mit einer elektrischen Pumpe in einen Wasserturm gefördert, wo es durch einen Sandfilter gereinigt wird. Der Kindergarten ist im ehemaligen Reisspeicher des Dorfes eingerichtet, das letzte Haus in Hutabarat in traditioneller Toba- Batak-Architektur mit den beiden hochgezogenen Giebeln. Schwester Bonaria blättert das Fotoalbum aus dem Brühler Kindergarten durch. DSC05608Von der Struktur her, sagt sie zufrieden in bestem deutsch, sei es eigentlich ähnlich: Ein Gebäude, ein Außengelände mit Spielgeräten, Singen, Basteln, Spielen, erste Buchstaben und Zahlen. Es ist Zeit genug, denn wir sind zu früh gekommen. Auch in Indonesien müssen Kindergartenkinder erst um 9.00 Uhr da sein. Dass Samstag und eigentlich Wochenende ist, haben wir vergessen. Trotzdem haben sich die drei Erzieherinnen und die Kinder eingefunden, um uns zu begrüßen. Die Kinder versammeln sich, wie in Indonesien üblich, vor dem Haus und beginnen mit einem Lied und einem Gebet. Die Erzieherinnen tragen die gleiche Batikbluse, die sie als die Erzieherinnen erkennbar machen. Wir werden durch den Reisspeicher geführt. Zunächst gilt wie in jedem Privathaus: Schuhe ausziehen! Der Staub der Straße, auch nicht der Schlamm der Straße in der Regenzeit, sollen nicht hereingetragen werden. Das Gebäude kann und will seinen ursprünglichen Zweck nicht verleugnen: Es ist klein und niedrig, aber ansprechend eingerichtet. Schwester Bonaria hat nicht unrecht: Von der Struktur her ähnlich wie in Brühl, und auch indonesische Eltern müssen Kindergartenbeiträge zahlen. Im Obergeschoss sind die mächtigen Baumscheiben zu sehen, die das mächtige Dach tragen. Urwaldriesen, von denen solche Stammscheiben gesägt werden konnten, dürfte es auf Sumatra kaum noch geben. Die Plantagen und die landwirtschaftliche genutzten Flächen werden größer, zusammenhängende Urwaldgebiete gibt es immer weniger. Der Sumatra-Tiger, der Sumatra-Elefant und der Sumatra-Orangutan sind entweder schon ausge-rottet oder stark gefährdet. Auf einer Wandtafel ist notiert, wie die Belegung des Kindergartens ist: 25 Kinder, davon 20 „Kristen", 5 „Katolik" und 0 „Muslim": Willkommen in einer evangelisch geprägten Mehrheitsgesellschaft!

DSC05595Wir wechseln hinüber in das Wohnzimmer der Familie Hutabarat. Schwester Bonaria teilt ihr Elternhaus mit der Mutter und dem Bruder. Jetzt füllen Kindergarten-Kinder und Erzieherinnen den großen Wohnraum und setzen sich auf den Boden. Pahala stellt uns allen vor und beginnt ein Frage- und Antwortspiel mit den Kindern. Almuth und ich sind Pfarrer, Reinhard ein Ingenieur aus Deutschland. Was denn die Kinder werden wollen? Fussballer wollen die meisten Jungen sein – offensichtlich hat sich auch in diesem Teil Asiens das Fieber ausgebreitet. Ein paar sagen aber auch Pfarrer, einige Mädchen melden sich beim Berufswunsch „Diakones". Wir werden sehen ...

Eine Tüte Haribo kreist, die Kinder bedanken sich artig und stellen sich für das obligatorische Gruppenfoto auf. Stocksteif und mit ernstem Blick warten alle, bis der Auslöser etwa 20 Mal geklickt hat. Die Kinder werden verabschiedet und strömen hinaus. Wir fühlen uns sehr wohl in Hutabarat. Auch dieser Besuch endet mit Kaffee, weißem Tee (= heißem Wasser) und Obstsalat. P1040445Der Blick fällt auf die Uhr – wir sind schon wieder zu spät! Das Programm, das die Partnerschaftsausschüsse vorbereitet haben, erweist sich schon heute als übervoll. Zum Empfang bei der Landeskirche wollten wir eigentlich im Sonntagsstaat erscheinen, nun transportiert uns Pahala in Cargohose und Baumwollhemd nach Pearaja. Zum Glück hat Almuth ihr Werk von letzter Nacht schon eingesteckt. Sie will es, während die Feierlichkeit anläuft, irgendwo kopieren lassen.

Wir sind hoffnungslos underdressed. Marudur trägt ein himmelblaues Cocktailkleid, die sonst so pragmatische Diakonisse Rosmauli erwartet uns im kanariengelben Kostüm, die afrikanischen Bischöfe in Anzügen zwischen glänzend grau und Dunkelrot. Zum Glück sehen die deutschen Delegationen ungefähr so aus wie wir: Cargohose und Baumwollhemd. Die Wagemutigen tragen Batik made in Indonesia, wozu die Outdoorweste nur gezwungen passt. Wir sind die letzten und verteilen uns um einen Tisch im hinteren Teil des Raumes. Den Stehempfang zum allgemeinen Kennenlernen haben wir versäumt, aber pünktlich zu offizieller Begrüßung und Andacht des Mitglieds der Kirchenleitung sitzen wir lächelnd im Saal. Die Kopien sind noch nicht gemacht, und wir sind schon als zweite Partnerschaftsgruppe dran! Also mobilisiere ich nach langer Zeit wieder einmal Fähigkeiten aus dem Studium der Theologie: Mit den Ohren zuhören und ganz etwas anderes niederschreiben. Der Partnerschafts-Ausschuss des Kirchenkreises Aachen hätte wirklich zum Jubiläum anreisen können, dann hätte ich noch eine weitere Präsentation länger Zeit zum Abschreiben.

Was Almuth vorausgesagt hat, tritt ein: Die Delegationen stellen sich einfach hin, sagen wie lange die Partnerschaft besteht und was man so macht, und Köln-Süd hinterlässt bleibenden Eindruck mit Darbietung folgenden Liedes (auf die Melodie von „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten"): 

1.

In Germany, the cold country,
DSC05641close to the banks of the Rhine,
there live a special people,
who love their beer and their wine.
Right south of Cologne you will find us,our parishes are seventeen.
And we all are protestant christians
like Martin Luther has been.

2.

P1040450Deep in the east of Asia
the Batak people live.
They opened their hearts to the gospel,
which Nommensen brought as a gift.
Today we are bound together,
as partners we want to be seen.
Cause we all are protestant christians,
like Nommensen also has been.

3.

DSC05662Believers in all Gods countries,
they form the body of Christ.
As they are linked up to each other,
they should share all sorrows and joys.
We're happy, that you have invited
us to your church jubilee.
For we all are protestant christians.
God bless you in HKBP!

P1040455Wie gesagt, Köln-Süd hinterlässt bleibenden Eindruck, aber Dr. Fidon Mwombeki, dem Generalsekretär der VEM aus Tansania und den Bischöfen aus den evangelischen Kirchen Zentralafrikas, können selbst wir nicht das Wasser reichen. Mwombeki nimmt die Anwesenden mit in die Anfänge der Partnerschaftsarbeit zwischen europäischen Gemeinden und der HKBP. Er berichtet von deutschen Ausschüssen, die sechs Monate im Voraus Planungssicherheit verlangen und indonesischen Partnern, die eine Woche vor Abflug überlegen, wer mitreisen soll. Er weitet aber auch den Blick auf vorsichtige Versuche, Kontakte zwischen asiatischen und afrikanischen Kirchen zu knüpfen – auch auf die Gefahr hin, dass Indonesier für Chinesen und Afrkaner für Papuas gehalten werden. Gemeinsamer Schlussgesang der Bischöfe „Malembe Nanzela la nola, toko tambola Malembe, Malembe toko tambola." Ulos für alle, Gruppenfotos.

Beim gemeinsamen Mittagessen lerne ich die anderen Delegationen kennen, Reinhard kennt die ökumenische Familie und beginnt sofort, alte Bekanntschaften aufzufrischen. Superintendentin Debora Sinaga vom Kirchenbezirk Humbang sagt guten Tag, nicht mit allen Anwesenden war die Partnerschaftsarbeit eine Geschichte ungetrübten Erfolgs. Heute soll das nicht Thema sein, das Jubiläum morgen steht im Zentrum. Die Gesandtschaft des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg treffen wir  nach dem gemeinsamen Hinflug wieder.

Der Tag zieht sich. Für den Nachmittag steht die HKBP Choir Competition auf dem Programm. Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchöre ermitteln im regionalen Sängerwettstreit die Sieger, die den Kirchenkreis Silindung beim landesweiten Wettberwerb in Jakarta vertreten sollen. Es wird eng, wir schaffen auch das nicht. Pahala muss bald zurück nach Sipoholon. Die afrikanischen Bischöfe wollen am Nachmittag das Seminar besuchen, durch das Pahala als leitender Pfarrer führen wird. In seinem Büro könnten wir per E-Mail ein Lebenszeichen nach Hause senden und unsererseits das Festgelände am Tag vor der Feier in Augenschein nehmen. Wir wechseln uns ab. Ich merke wieder an Kleinigkeiten wie der lahmen Übertragungsgeschwindigkeit des Modems, in welch gelobtem Land wir leben. Während Reinhard noch einen Blick auf seine Facebook-Seite wirft, laufen Almuth und ich schon einmal über das Gelände, auf dem morgen der Festgottesdienst gefeiert werden soll.

DSC05675Die Vorbereitungen für den morgigen Tag laufen auf Hochtouren. Die große Bühne ist aufgebaut, Bühnentechnik zur Beschallung von 15.000 Sitzplätzen ist montiert. Lastwagenweise werden Plastikstühle herangekarrt und in akkurate Reihen unter Zeltdächern ausgerichtet. Die Regenzeit hat zwar noch nicht begonnen, aber der Himmel war heute meist Wolken verhangen. Die Organisatoren machen sich ernsthaft Sorgen. Die Zelte sind nicht nur gegen die Sonne, sondern auch gegen einen durchaus möglichen Regen- guss aufgebaut.

Auch die Diakonissen sind schon vor Ort und richten sich in einem Nebengebäude für medizinische Notdienste ein. Hier finden wir Reinhard, der wieder jemand getroffen hat. Zu uns gesellt sich Hannah. Sie arbeitet in der Schulabteilung der HKBP, hat mit dem Feierlichkeiten eigentlich überhaupt nichts zu tun, ist nur auf dem Gelände um den Fortschritt bei der Renovierung eines Schulgebäudes in Sipoholon zu begutachten. Besucher aus dem Ausland fragt sie sofort nach Hilfe an. Sie sucht Lehrerinnen und Lehrer für den Englischunterricht. „Wir haben da zu wenig getan," kritisiert sie das eigene System. Natürlich gibt es in Deutschland den Senior Expert Service in Bonn, aber für ihre Ziele dürften ähnliche Programme in Australien oder Neuseeland viel interessanter sein – es ist doch viel näher als Europa! Hannah beginnt von sich zu erzählen und eröffnet uns einen wichtigen Einblick in die öffentliche Wahrnehmung der HKBP. Sie arbeite für die HKBP, richtig. Sie sei auch Mitglied der HKBP, aber das im Grunde nur als Reminiszenz an ihren früh verstorbenen Vater, der wohl Pfarrer oder Lehrer-Prediger in einer HKBP Gemeinde war. Geistliche und spirituelle Nahrung bekommt sie bei der Pfingstgemeinde, zu der sie Freundinnen mitgenommen haben. Die HKBP, sagt sie, ist groß, und ein bisschen langweilig. Sie erweckt den Eindruck des Standard-Glaubens. Hannah sagt, das ginge nicht nur ihr so. Tatsächlich sind uns bei den Durchfahrten von Tarutung mehrere Gemeindehäuser aufgefallen, deren Namen auf charismatische Gemeinden hindeuten. Damit wird sich die große Dame HKBP nach dem Jubiläum und der Wahl der Kirchenleitung sicher beschäftigen müssen. Hannah geht, und wir sitzen ein wenig verloren in den Sesseln. Die Diakonissen haben natürlich Kaffee und Tee gebracht, auch den Kuchen für morgen dürfen wir versuchen. Pahala ruft an. Er hat versucht, für uns eine Transportmöglichkeit zu finden. Die afrikanischen Bischöfe sind nämlich unterdessen erschienen, die er durch sein Seminar begleiten wollten. Es geht für uns direkt weiter: Ein kurzer Stopp im Gästehaus, dann zum Abendessen. Praeses Silitonga erwartet uns mit seiner Frau und Martogi Sitorus, der Partnerschafts-Vorsitzende.

Offensichtlich trauen die Batak ihrer eigenen Küche nicht zu, dass sie dem europäischen Reisenden schmecken könnte. Auch die Batak selber scheinen ausländische Küche zu mögen. Wenn man Gäste ausführt, dann geht man zum Chinesen. Dorthin soll es auch heute Abend gehen, aber ich steige aus. Ich weiß nicht, warum, aber ich fühle mich nicht besonders. Morgen zum Gottesdienst möchte ich nicht malad sein. Schließlich habe ich meinen rheinischen Talar um die halbe Welt geschleppt, um ihn morgen unter indonesischer Sonne zu tragen. Also lieber heute kürzer treten...

Fortsetzung folgt in ca. 7 Tagen.

Tageslosung 19.01.2018
Die Worte des HERRN sind lauter wie Silber, im Tiegel geschmolzen, geläutert siebenmal.

Gottesdienste

Gottesdienste im Ev. Kirchenkreis Köln-Süd

Konzerte

Konzerte (Link öffnet neues Fenster)
Copyright © 2011 - Ev. Kirchenkreis Köln-Süd - Alle Rechte vorbehalten