Verwaltungsgebäude, Andreaskirchplatz 1 in Brühl-Vochem 02232/15101-0

Seitenansicht des Verwaltungsgebäudes in Brühl-Vochem, Andreaskirchplatz

Sonntag, 2. Oktober 2011, Partnerschaftsbesuch auf Sumatra

(von Pfr. Stefan Jansen-Haß, Brühl;  Fotos von S. J-H. und Reinhard Radloff)

DSC05687Hatte ich Fieber? Das ist kaum festzustellen, die Sonne geht auf über Tarutung und es verspricht, ein regenfreier, vielleicht sogar sonniger Tag zu werden. Die Veranstalter des HKBP-Jubiläumstages sehen ihre Gebete erhört. Mein Kreislauf läuft heute früh sehr langsam an. Das jetzt nötige zusätzliche Viertel-stündchen ist gerade heute nicht drin. Wir müssen pünktlich in Pearaja sein, um unseren Transfer zum Festgelände in Sipoholon zu erwischen. Versuchen wir es also mit einer indonesischen Kreislaufkur: Eine Kelle kalten Wassers über ein geeignetes Körperteil schütten. Das wirkt nicht wie gewünscht, hält mich aber zumindest davon ab, noch weiter herumzutrödeln. Eine Aspirin-Granate folgt. Sollte es doch der Anflug einer Erkältung sein? Aber wer erkältet sich in den Tropen? Die Frage der anderen nach dem guten Schlafen beantworte ich wahrheitsgemäß. Großer Fehler! Von nun an machen sich alle Sorgen um mich, tagsüber erhalte ich sogar eine SMS von Tigor, ob ich etwas gegessen hätte ....

In Pearajaist wieder der Frühstückstisch gedeckt. Ich muss wortreich erklären, warum ich heute zunächst einmal beim Tee bleibe. Die ökumenische Familie trudelt ein. Woher wissen jetzt die Leute aus Krefeld-Viersen schon, dass ich keinen guten Tag habe?

Beim Frühstück gesellt sich der Moderamen der GBKP, Pendeta Matheus Panji Barus zu uns. Die reformierten Kirchen werden hier zu den ökumenischen Kontakten gerechnet. Ob der katholische Bischof oder zumindest der Ortsgeistliche eingeladen worden ist? An der prächtigen katholischen Kirche in Tarutung sind wir schon mehrfach vorbeigefahren. Vor der Abfahrt stellen wir Gäste aus der Partnerschaft uns artig zum Gruppenfoto auf. Es dauert ein Weilchen, bis auch die letzte MiniCam und das allerletzte Smartphone ein Bild von dieser denkwürdigen Begegnung gespeichert hat. Weil alle auf das Foto wollen, ist Tigor das arme Menschenkind, das Kamera um Kamera auf die Gästegruppe richten muss. Es war richtig, dass ich mir von Reinhard dessen Zweitkrawatte geliehen habe. Mit Martogi Sitorus stand ich schon vor dem Laden eines Bekleidungsgeschäftes, und dann reichte mal wieder die Zeit nicht hineinzugehen und eine javanische Batikkrawatte zu erwerben. Also trage ich den Leihschlips mit Stolz, denn: Alle haben sich in Schale geworfen und ehren den Tag mit ihrem Sonntagsstaat. Die Männer tragen westliche Anzüge oder prächtige Batikhemden sowie die traditionelle Kopfbedeckung der Batak, einen länglichen Hut ohne Krempe. Die Kinder sind herausgeputzt. P1040497Die Frauen haben das Haar zu kunstvollen Frisuren aufgesteckt und offensichtlich erhebliche Mengen an Kosmetika aufgelegt: Pfarrerin Marudur erkenne ich erst auf den zweiten Blicke wieder. Das Schönheitsideal scheint ein besonders blasser Teint zu sein. Sarongs in rot und gelb, manchmal mit Goldfäden durchwirkt und mit dem passenden Ulos über der rechten Schulter werden getragen.
Martogi hat uns abgeholt und wird uns auch zum Festgelände chauffieren. Er klebt einen bunten Aufkleber an seine Frontscheibe - damit das Auto auch überall durchgelassen wird, erklärt er. Na, so schlimm wird's schon nicht werden, denke ich. Unser Privatpolizist Sembiring nimmt seine Aufgabe als Guard sehr ernst. Er ist mit seinem grauen Moped ebenfalls in Pearaja angekommen und reiht sich in die Fahrzeugkolonne hinter uns ein.

Es wird nicht schlimm. Es wird sehr bunt, sehr voll, sehr fröhlich, sehr gut organisiert. Die schmale Zufahrtsstraße wird von Polizisten in Uniform flankiert, die sofort eingreifen, wenn jemand tut, was er nicht soll – zum Beispiel mitten auf der Straße stehenbleiben und mit einem Anwohner schwatzen. Busse werden um Engstellen gelotst, Fußgänger barsch gebeten, doch am Straßenrand zu gehen. Martogis Aufkleber ist Gold wert. Wir parken direkt hinter den Sonnendächern, unter denen wir während des Gottesdienstes Platz nehmen dürfen.

Tausende bunter Papierblumen sind zu großflächigen Glückwunschadressen für die HKBP zusammengefügt worden. Solche öffentlichen Glückwünsche werden wir im weiteren Reiseverlauf wieder bei Hochzeitsfeiern und Geschäftseröffnungen sehen. Die Sitzplätze der Delegationen aus der Partnerschaft der HKBP sind hinter der Bühne, was ein bisschen schade ist, weil wir so nur hören können. Gerade für uns Nicht-Indonesier wäre es nicht schlecht, wenigstens das Geschehen verfolgen zu können. Aber wir sitzen zusammen mit den anderen Gästen aus Deutschland und Afrika, den Partnerschaftsausschüssen mit ehemaligen und gegenwärtigen Mitgliedern zusammen. Die Taschen parken wir hier und werfen uns in unsere völlig zerknitterten Talare. DSC05691Sitzt das Beffchen gerade? Die Ehrenloge der Politik ist bereits gefüllt mit wichtig dreinblickenden Herren, die verwegene Sonnenbrillen tragen. Hier gehört zum Auftritt ein fein rasierter schmaler Oberlippenbart. Hoffentlich betreiben die nicht Alltagspolitik, so wie sie heute aussehen...

Pahala geleitet uns zur Bibliothek von Sipoholon, von wo aus der liturgische Einzug auf das Festgelände beginnen soll. Wir laufen so dem Strom der Gottesdienstbesucherinnen und –besucher entgegen. Jeder Region im Kirchenkreis Silindung sind Sitzplätze zugeordnet. Die ankommenden Gemeindeglieder, ebenfalls alle prächtig gewandet, streben ihren Plätzen zu. Freundliches Kopfnicken links und rechts. Kinder winken verhalten – diese weißen Europäer sehen wirklich komisch aus. Wenigstens haben sie dasselbe an wie die richtigen Pfarrer!

In und an der Bibliothek sind bereits etliche HKBP Pfarrerinnen und Pfarrer in Amtstracht eingetroffen. Den Anblick von über 100 asiatischen Geistlichen im rheinischen Talar muss ich erst einmal einsortieren: Natürlich hat der Missionar Ingwer-Ludwig Nommensen die Kleidung seiner Ordinationskirche mitgebracht, also den preußischen Talar. Reinhard trifft ständig alte Bekannte, organisiert schnell ein Treffen für nach dem Gottesdienst oder den nächsten Tag, weist auf seine Facebookseite hin oder spricht sofort Dinge an, die für die Partnerschaftsarbeit wichtig sind. Aber auch ich stolpere über ein vertrautes Gesicht: Melani Butarbutar, damals Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses, hatte mit seiner Frau beim Besuch 2007 bei uns im Pfarrhaus gewohnt. Er hat Karriere gemacht und ist jetzt eine wichtige Gestalt in der Kommunalverwaltung auf der Insel Samosir im Tobasee. Pahala erklärt uns, wie der Einzug gedacht ist: Die Posaunen voran, danach die bunten Fahnen der Regionen, dann die Kirchenleitung. Indonesische, europäische und afrikanische Pfarrer sollen jeweils zu dritt in einer Reihe gehen. Die Stimmung ist prächtig, geschwisterlich. Der Einzug organisiert sich schließlich selbst. Die Dreierreihen lösen sich nach wenigen Metern auf, weil immer irgendjemand irgendwen im Zug oder in der Gemeinde entdeckt hat, zum dem man hinlaufen und ein paar Worte wechseln muss. Alle wollen beim Einzug mit den afrikanischen Bischöfen fotografiert werden, und jeder muss natürlich einen besonderen Ulos (Schultertuch) erhalten, auf den das Motto und das Emblem der 150 Jahrfeier der HKBP eingestickt ist.

P1040499Als Symbol hat sich die HKBP eine Feuerflamme gewählt, als biblischer Text wurde Kolosserbrief 2, 6-7 festgelegt: „Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar."

Nach den Pfarrersleuten ziehen die Diakonissen, Gemeindeältesten und die Bijbelfrouwen ein. Es ist das erste (und einzige) Mal, dass ich Rosmauli Hutahaean in Diakonissentracht mit weissem Rock und Häubchen sehe.

Es beginnt ein langer Festgottesdienst in Batak und indonesischer Sprache. Die Geschichte der HKBP wird in Daten und Fakten erzählt. Diese Aufstellung war auch im Gottesdienstkonzept nachzulesen, das gestern schon ausgegeben wurde, leider eben nur in Batak und in Indonesisch. Die angekündigte englische Übersetzung hat uns nicht erreicht. Posaunenensemble und geschickt placierte Chöre unterstützen den Gemeindegesang.

Wieder helfen Uniformierte, ob Polizei oder Militär, ist nicht zu erkennen. Sie halten Durchgänge frei und sorgen dafür, dass die Kinder nicht unter die Bühne kriechen. Weil sich das Festgelände immer weiter füllt, ist Improvisationstalent gefragt. Statt der erwarteten 15.000 Menschen sind wohl 20.000 gekommen. Die beiden Männer in Paradeuniform in unserer Nähe sind sich nicht zu schade, eine große Kunststoffplane herbeizuschleppen und so noch ein paar Sitzplätze für die zu schaffen, die später gekommen sind.

P1040484Für das Kirchenjubiläum wurde ein neues Lied gedichtet und komponiert. Ein gerader 4/4 Takt trägt eine eingängige Melodie. In Deutschland wäre das eher etwas für die Heilsarmee, hier wird das neue Kirchenlied mit Beifall begrüßt. Der Ephorus Dr. Bonar Napitupulu hält die Festpredigt. Ob auf indonesisch oder batak bekomme ich nicht mit, seine Sprachmelodie zeugt aber von großer Begeisterung für die Sache und den Anlass. Die HKBP hat Grund genug zum Sich-Selber-Feiern und Zuversicht ist da für eine gelingende Zukunft. Morgen wird uns Nelson Siregar, selber Mitglied der Kirchenleitung und wohl ein Bewerber bei der kommenden Wahl zum Ephorus (Bischof), erzählen, dass die Predigt nicht überall gut angekommen sei. Selbstbewusstsein hin- oder her, bei „Die HKBP ist die HKBP" kann es nicht bleiben. Man wüsste wissen, wo man herkommt, um zu wissen, wo es hingehen soll.

Im Gottesdienst werden drei Kollekten gesammelt. Frauen und Männer in weißen Roben kommen mit drei verschiedenen Kollektenbeuteln durch die Reihen. Die Gottesdienstbesucher können wohl unterscheiden, was sie in welchen Beutel geben. Ich nicht, weil ich nicht verstanden habe, worum es geht. Also: Gleiche Mark für alle! Hier natürlich: Gleiche Rupiah für alle!

P1040490Wieder gibt Pahala das Signal. Zum Segen sind alle anwesenden Pfarrerinnen und Pfarrer gebeten, sich im Kreis auf den freien Platz vor der Bühne zu stellen und gemeinsam der Gemeinde den Segen zu spenden. Um ein einheitliches Bild zu geben, soll jeweils die rechte Hand gehoben werden. Sieht das jetzt nicht doch ein wenig nach deutschem Gruß aus? Aber das scheint ein europäisches Problem zu sein, vielleicht sogar nur meins.

Nach dem offiziellen Ende des Gottesdienstes folgen Grußworte. Auch das dürfte bei jeder offiziellen Feier in der ganzen Welt gleich sein. Die Grußworte aus den Regionen des Kirchenkreises Silindung sind aber indonesisch-charmant. Die Bezirksvorsitzenden singen jeweils ein Lied mit schnmelzendem Ton und viel Vibrato und werden von ihren Gemeindegliedern jeweils stürmisch gefeiert. Es folgen die gesprochenen Grußworte. Da wird es wieder feierllicher. Für die Partnerschaften spricht wieder Dr. Fidon Mwombeki und fordert nun offiziell für die VEM ein stärkeres Engagement der vier Millionen Mitglieder starken HKBP, zum Beispiel in Afrika. Die Zeiten seien vorbei, dass man von der Südhalbkugel immer nach Norden schauen musste, wenn es um Partnerschaften ging. Süd-Süd-Partnerschaften, eben zwischen afrikanischen und asiatischen Kirchen, versprächen sinnvollen Austausch, wobei die verschiedenen Ausprägungen des evangelischen Bekenntnisses erst einmal zweitrangig seien.

Es folgt lockere Konversation auf der Tribüne. Die Talare werden abgelegt und wieder in den Taschen verstaut. Sitzplätze werden gewechselt, Reihen durchgemischt, Delegationen lösen sich auf. Kinder beginnen zu spielen, ein Zeitungsverkäufer bietet die Schlagzeilen der Tageszeitung „Analisa" an. Frauen ziehen die Schuhe aus und setzen sich mit der ganzen Familie auf den Rasen.

Das Mittagessen für uns wird in der Mensa des Seminars gereicht. Die fein gewandeten und sorgfältig geschminkten Damen sehen wir jetzt hinter Tischen an dampfenden Reiskochern oder mit Kellen noch einmal die vorbereiteten Speisen durchrühren. Auch hier gilt wieder: Setz dich an einen Tisch und warte, wer dazukommt. P1040503Draußen muss es für die anderen Gottesdienst- gäste auf dem Campus ein gewaltiges Picknick gegeben haben, denn als wir die Mensa verlassen, ist der Boden mit Verpackungen, Folien und leeren Wasserflaschen übersäht. Auf der Bühne hat jetzt ein Jugendprogramm begonnen, der Festgottesdienst bekommt Kirchentagscharakter. Die Menschen drängen an die Bühne, singen und tanzen mit den Liedern bekannter Bands und Musiker, die die HKBP für diesen Tag gewinnen konnte. Die uniformierten Ordner verlassen ihre Posten, um besser sehen zu können. Ich laufe über das Gelände zur Ausstellungshalle, in der eine Fotodokumentation zur Geschichte der HKBP aufgebaut ist. Auf Holz aufgezogene und gerahmte Fotos der Missionare, der ersten Gemeindehäuser und früherer Jubiläumsfeiern sind ausgestellt und auch zu kaufen. Eine Festschrift in indonesischer und englischer Sprache fasst das Wichtigste zusammen. Natürlich hat auch hier die gewandte Diakonisse Maida Siagian mitgewirkt und bei der Übersetzung ins Englische geholfen.

Die Stimmung wird lockerer. Die sonst zurückhaltenden Indonesier, vor allem die Indonesierinnen, kommen auf uns zu und bitten, mit ihnen für ein Erinnerungsfoto zu posieren. Und wenn eine Chordame angefangen hat, dann wollen natürlich alle anderen auch ein Foto. Und was die Erwachsenen dürfen, das wollen die Kinder erst recht. Die Mobiltelefone klicken und piepen, Jugendliche zeigen sich gegenseitig die Fotos mit den merkwürdigen Leuten aus Europa und bewegen sich dann wieder Richtung Bühne.

Gegen 16.00 Uhr leert sich langsam das Gelände. Martogi Sitorus taucht aus dem Nichts wieder auf, und wieder tut der Aufkleber Wunder. Am Ende der Zufahrtsstraße nach Sipoholon biegt Martogi jedoch nach links ab, nicht in Richtung Tarutung und Gästehaus.

Wieder einmal aus dem Lexikon: „Sumatra liegt an der Grenze der Eurasischen zur Indischen Platte, wobei es sich noch in der Eurasischen Platte befindet. Aufgrund der Plattenbewegung ist hinter der Westküste Sumatras das Faltengebirge entstanden, in dem es viele Vulkane und Erdbeben gibt. Westlich des Landes am Indischen Ozean befinden sich auch Epizentren von Seebeben (bis zu 700 km Tiefe). Dadurch entstehen Flutwellen (Tsunamis). Sumatra liegt in der Zone alpidischer Faltung (mobile Zone). Südwestlich des Faltengebirges befinden sich Tiefseegräben. Die Absenkung der aktiven Subduktion fand in Richtung Sumatras statt."

Auf Sumatra bebt häufig die Erde, seine Strände sind latent Tsunami-gefährdet, und an vielen Stellen gibt es tätige Vulkane. In Sipoholon bewirken die Spalten in der Erdkruste, dass heiße Quellen an die Oberfläche austreten. Das will uns Martogi noch zeigen, ehe wir in das Gästehaus zurückkehren und uns für das Abendprogramm in Martogis Heimatgemeinde „Palmarum" vorbereiten. Erst später fällt uns auf, dass uns Sembiring auf seinem Moped nicht mehr begleitet. Seine Mission ist beendet, wir sind weder abhanden gekommen noch in die Luft gesprengt worden. Auftrag ausgeführt, Herr General!

DSC05753Heiße Quellen, Air Panas auf indonesisch, haben die Batak schon früh als Orte der Heilung entdeckt. Das heiße Wasser löst Salze und Mineralien aus dem Gestein und führt sie an die Oberfläche. Dort lagern sich die gelösten Stoffe ab und färben die Gegend unwirklich weiß und grau. Mittlerweile sind an den heißen Quellen Ausflugslokale entstanden, das Quellwasser wird durch Badebecken geleitet. Für die Indonesier sind die Quellen ein Ausflugsziel. Ein Parkwächter organisiert das Chaos auf dem Mini-Parkplatz souverän.

Der Partnerschaftsausschuss Silindung hat dann zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen. Nach einer kurzen Pause zum Umziehen – wir sind ja immer noch in Anzug und Krawatte unterwegs – werden wir zu einem gut besuchten Speiselokal in das Zentrum Tarutungs gefahren. Und so betrete ich auch noch das Restaurant, in das ich gestern nicht mitkommen konnte, denn die Gastgeber wollen den Gästen aus Europa etwas bieten. Deshalb gehen wir chinesisch essen. Wir sind nicht die einzigen, die sich nach dem Fest hier stärken wollen, die afrikanischen Bischöfe sitzen am Nachbartisch. Die ökumenische Familie geht gemeinsam zum Chinesen. Nelson vom Straßenbauamt, Florida Limbong und ihr Mann Thomson Sinaga sind ebenfalls gekommen. Dass der Superintendent und vor allem Pfarrer Pahala Simanjuntak nicht da sind, ist verständlich. Reis für alle!

Alle Indonesier haben ein Mobiltelefon. Alle Telefone klingeln, zwitschern und vibrieren ständig. Trotzdem: Martogi Sitorus geht jetzt zum zweiten Mal während des Essens an sein klingelndes Gerätchen und offenbart uns dann endlich, was er mit asiatischer Zurückhaltung bisher nicht laut mitgeteilt hat: Wir haben mal wieder getrödelt und den Zeitplan pulverisiert. In der Kirche von HKBP Palmarum warten schon seit geraumer Zeit die Gemeinde und der Jugendchor auf uns. Dieser Chor hat zum Stolz der Gemeinde den Chorwettbewerb im Kirchenkreis gewonnen, den wir gestern verpasst haben, und darf damit am landesweiten Wettbewerb in Jakarta teilnehmen.

Erst als wir auf die Straße treten und zu den Autos gehen, merken wir, dass die Temperaturen noch weiter gesunken sind. Für uns normales Herbstklima, für Bewohner der Tropen wird es richtig kalt. Die Kirche liegt ein bisschen versteckt hinter dem Sportstadion von Tarutung. Die Gemeinde hat geduldig ausgeharrt. DSC05762Der Chorleiter, ein Autodidakt, wie uns erzählt wird, ruft aus einem Keyboard eine einprogrammierte Liedbegleitung ab, ein Mädchen nimmt an einem traditionellen indonesischen Schlagzeug Platz. Fünf unterschiedliche schlanke Trommeln sind nebeneinander in einem Holzgestell montiert. Sie werden auch mit hölzernen Schlegeln gespielt. Mit großer Begeisterung tragen die über 30 Sängerinnen und Sänger uns ihr Wettbewerbslied vor: Schwungvoll mit eingehender rhythmischer Musik, die an die traditionellen Bataklieder erinnert. Das Schlaginstrument trägt dazu bei. Das Lied des Jugendchores kann es mühelos mit der Neukomposition von heute Vormittag aufnehmen.
Martogi Sitorus berichtet der Gemeinde in einem längeren Monolog von der Partnerschaftsarbeit. Der lange Tag hat aber Spuren hinterlassen. Die ohnehin zierliche Diakonisse Maida versinkt müde in ihrem mächtigen Webpelzkragen und sieht aus wie sechzehn. Auch aus dem Chor mag niemand mehr so recht in eine Fragestunde mit uns einsteigen. Almuth gibt sich redliche Mühe. Und als jetzt noch Nelson das Wort ergreift und seinerseits zu einem längeren Vortrag anhebt, setzt sich auch der sonst so stabile Ausschussvorsitzende Martogi Sitorus in eine Ecke und schließt kurz die Augen.

Wir haben für die Mitglieder des Chores die Ansteckfische des Jugendpfarramtes Köln mitgebracht. Die CDs mit dem Kurzfilm über die Evangelische Jugend Brühl bringen wir auch unters Volk. Wir werden später zum Abschied aus Silindung noch einmal nach Palmarum eingeladen. Wir sehen uns also wieder. Alle wollen nach Hause, und so endet der Abend ohne Fotos und ohne Ulos.

Im Gästehaus ist eine neue fröhliche und bunte Reisegruppe angekommen – natürlich, die Polizeieinheit hat ihre Aufgabe mit dem heutigen Tag erledigt. Wir erfahren, es handelt sich um eine politische Fortbildung. Auch wir stellen uns kurz vor, erzählen woher wir kommen und warum wir da sind. Unsere Erläuterungen gipfeln in: Wir sind eine Delegasi.

Die indonesische Sprache verwendet Lehnworte aus anderen Sprachen, wo das Malayische, auf dem das Indonesische basiert, keine Vokabel kennt. So kommt das Wort für Gemeinde „geraja" aus dem arabischen. Gesandtschaft ist offensichtlich eine typisch europäische Angelegenheit, weshalb ein Begriff aus dem niederländischem verwandt wird. Wir sind eben eine Delegasi.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutieren angeregt bis spät in die Nacht. Genau das brauchten wir heute nach dem langen Tag ...

Fortsetzung folgt in ca. 7 Tagen !

Tageslosung 21.02.2018
Der HERR wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen.

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