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Kirchenkreis Köln-Süd

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Herbergssuche

Beate Heinen Herbergssuche
Worum geht es an Weihnachten? Es geht um die Sehnsucht nach Geborgenheit. Es geht um den Startpunkt für eine Familie, und es geht um die Geburt des Gottessohnes in der ganz menschlichen Wirklichkeit. Eine Station des Weges bis zur Geburt des Kindes ist die Suche nach dem Ort, an dem Maria und Joseph unterkommen können. Es fallen einem die Eindrücke aus Krippenspielen ein: Maria und Joseph gehen gemächlich durch die Kirche, Marias Bauch mit einem Kissen gewölbt, Joseph besorgt und beschützend. Je nach Typ eher schüchtern bis forsch gespielt. Ich erinnere mich an einen Konfirmanden in schwarzer Lederjacke und mit Gel im Haar. In der Heiligen Schrift steht dazu:

„Joseph aus der Stadt Nazareth machte sich auf in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger... Sie hatten keinen Raum in der Herberge. Maria gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe", also einen Futtertrog für Tiere.

Das heißt: Sie haben gesucht und gesucht und kein ordentliches Haus gefunden. Wir erfahren nicht, warum. War Bethlehem wegen der Volkszählung überfüllt? War der Ort wenig gastfreundlich? War das junge Paar bei den Familien und den Wirten nicht willkommen? Hatten sie kein Geld, um eine Unterkunft zu bezahlen? Wir erfahren es nicht, darüber können wir nur unsere Phantasie in Gang bringen, wie es für viele Krippenspiele geschehen ist. Jedenfalls: ein kleiner Stall oder eine Höhle, Unterschlupf für Schafe und Rinder, musste als erstes Zuhause für Baby Jesus genügen. Die Grunderfahrung: Herbergssuche ist keine Phantasie: sie war damals und ist heute eine ganz konkrete Erfahrung vieler Menschen. Wo finde ich Platz und Sicherheit für meine Familie und mich? Wie viele Mütter haben am Ende des 2.Weltkrieges auf der Flucht in den Westen keine Ahnung gehabt, wo sie eine Herberge für sich und ihre Kinder finden würden. Und wie viele Soldaten sind nach entbehrungsreichen Jahren nach Hause zurück gekehrt, ohne zu wissen, ob es noch ihr Zuhause war.

Wie viele Menschen sind heute auf der Flucht! Das UN-Flüchtlingswerk teilt mit, dass im Jahr 2013 51,2 Millionen Menschen wegen Bürgerkriegen, Gewalt gegen Volksgruppen und religiöse Minderheiten und aus wirtschaftlichen Gründen auf der Flucht gewesen sind. Das ist die höchste Zahl seit Erhebung der Daten. Hinter der unglaublichen Zahl stehen unzählige Schicksale und Lebensgeschichten, jede wieder anders. In Berichten sehen wir Bilder von Menschen, die nichts anderes bei sich haben als das, was sie tragen können. Wie viele Kinder sind darunter, die getragen werden oder lange Strecken selber gehen müssen. Und wie viele sind dabei, die irgendwo, auf einem Schiff, in einem Flüchtlingszelt oder einem Asylbewerberheim geboren werden? Aus Schwarzafrika, aus Afghanistan, dem Irak oder Syrien oder auch aus osteuropäischen Ländern.

Das Motiv der Herbergssuche hat die Künstlerin Beate Heinen in ihrem Bild aus dem Jahr 1981 aufgenommen. Beate Heinen ist 1944 in Essen geboren. Sie lebt als freischaffende Künstlerin am Laacher See. Das Bild wirkt auf den Betrachter einfach. Die Straße ist ruhig und verlassen. Mit großer Anstrengung zieht ein Mann einen Holzkarren. Eine junge Frau sitzt auf dem Karren. Sie hat die Arme über dem Leib gekreuzt, als ob sie etwas Kostbares darunter beschützen möchte. Würde geht von ihr aus. Das Bild erinnert uns an Weihnachten, an Maria und Joseph auf ihrer Suche nach einer Herberge, in der das Jesuskind geboren werden soll. Sie suchen in heutiger Zeit. Die Fenster der Häuser sind erleuchtet. Hinter ein paar Fenstern sind Menschen zu erkennen. Sie wundern sich vielleicht über das Geräusch auf der Straße. Die mehrstöckigen Häuser besitzen nur keine Türen. Wie fühlt sich das an, an Häusern entlang zu gehen und zu wissen: Alle haben ein Zuhause, hier oder dort. Und ich? - Wo ist mein Zuhause? Wo gehöre ich hin? Wer nimmt mich auf? Die Frage vieler Flüchtlinge, die in Europa Sicherheit und Schutz suchen.

Auf dem Bild ist angedeutet, was das Schicksal Jesu von Anfang an war. Draußen bleiben zu müssen. Sein Leben bestand in der Wanderschaft. Einmal sagt er: „Der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlege." Und in Jerusalem merkt er, wie wenig seine Botschaft verstanden wurde: „Er weint über die Stadt Jerusalem und ihre Kinder." Am Ende seines Lebens bleiben nur wenige Treue übrig. Er bleibt vielen ein Fremder. Das Bild macht nachdenklich. Es drängt sich die Frage auf: Wo ist mein Platz in dieser Adventszeit?

Gehöre ich zu denen im Fenster, die beobachten, was draußen geschieht, sich aber am warmen Zuhause freuen? Bin ich selber einer, der eine Herberge sucht? Wo ist mein Zuhause? Bei welchem Menschen oder bei welchen Menschen? Mit wem verbringe ich Weihnachten? Wo bin ich mit meinen Wünschen und Sehnsüchten zuhause? Wo ist die „Herberge" in der Online-Welt? Wo ist die Herberge in einer sich schnell drehenden Zeit, in der wir viele mehr im digitalen denn im analogen Leben unterwegs oder sogar zuhause sind?

Kann es sein, dass wir eigentlich nie wirklich auf Dauer zuhause sind, weil die Wanderschaft, die ständige Veränderung zum Menschsein gehört, weil auch Gebäude immer nur ein Zuhause auf Zeit sind? Viele haben ein schönes Zuhause und wissen es zu schätzen und sind dafür dankbar. Aber richtig bleibt auch: Jedes Zuhause, das wir finden und mit viel Einsatz gestalten und zu sichern suchen, ist immer nur ein vorläufiges Zuhause.

Sind auch unsere Kirchen nicht eher Zelte, die an das Wandern erinnern sollen, statt eine Burg, die unverrückbar bleibt, als ob uns der Wechsel der Zeiten nichts anhaben könnte? Wir brauchen und schätzen Sicherheit und Geborgenheit, jeder Mensch hat diese Sehnsucht. Aber jeder kann zumindest in Ansätzen verstehen, wie kalt und unsicher man sich fühlt, wenn man keine Herberge hat oder diese verloren hat. Wenn die berufliche Zukunft unsicher ist.

Es ist tröstlich zu wissen, dass dem Kind von Bethlehem nichts Menschliches fern ist, dass er denen auf der Flucht ebenso nahe ist, wie denen, die sich trotz eines sicheren Daches im Moment nicht geborgen fühlen. Er ist denen nahe, die wissen, wie groß das Geschenk ist, in einer Familie und einer Gemeinde – wie weit man sie auch fassen mag – Herberge zu finden.

Die Verheißung von Weihnachten liegt nicht darin, eine feste Herberge zu finden, sondern zu erleben, dass Gott uns in jeder Lebenssituation nahe sein kann und überall hin mitgeht, wo wir hinkommen.

Bernhard Seiger

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Tageslosung 22.06.2018
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