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Norsumatra

(Text und Fotos: Maida P. Siagian, Übersetzung: Reinhard Radloff)

Zu Beginn dieses kleinen Berichtes möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Maida Siagian, ich bin ordinierte Diakonisse (Ende 20). Ich mache zurzeit ein Aufbaustudium in Theologie am  Lutheran Theological Seminary in Hong Kong für zwei Jahre. Ich gehöre zu der Huria Kristen Batak Protestan (HKBP = Evangel. Toba-Batak-Kirche), die von deutschen Missionaren vor 150 Jahren gegründet wurde, als sie meine Vorfahren missionierten. In diesem Bericht möchte ich von meinen persönlichen Erfahrungen mit der Jugendgruppe in der HKBP Pearaja, Bezirk Silindung im ländlichen Raum Nordsumatras, erzählen. Dieser Bezirk unterhält eine aktive Partnerschaft mit der Evangelischen Kirche in Köln-Süd.             (Foto: Maida (links) mit Freundin)

Im Mai 2007 trat ich in die kirchliche Gruppe junger Erwachsener ein (NHKBP). Ich wusste vorher nichts über diese Gruppe, aber ich werde nie den Moment vergessen, als sie mich herzlich begrüßten. Wie die meisten Jugendlichen hier mag ich Freundschaft, Austausch, Gebet, gemeinsames Singen. Das war meine erste Erfahrung mit der Gruppe, und ich freute mich Teil dieser Gruppe zu werden. Allerdings merkte ich bald, dass die Jugendgruppe nicht nur Spaß miteinander erlebte (Feiern, Freizeiten, Sport). Die Jugend und junge Erwachsene übernehmen Verantwortung für die Entwicklung der kirchlichen Dienste, für die Zukunft der Kirche. Diese Herausforderung erreichte mein Herz: Was ist die Motivation mit der kirchlichen Jugend zusammen zu arbeiten, was kann ich für die Kirche geben? Die Herausforderungen ließen mich im Glauben wachsen und ermutigten mich immer wieder.


Die Anzahl der Mitglieder in der Jugendgruppe schwankte. Deshalb mussten wir uns bemühen, neue Freunde von Tür zu Tür einzuladen, in die Jugendgruppe zu kommen. Diese  Einladungen sahen wir als eine gute Möglichkeit, kreativ zu sein und zu lernen, wie die Kirche attraktiver für die Jugend werden kann. Was sind unsere Stärken, um andere Jugendliche zu erreichen? Einmal unsere Chor-Fähigkeit. Als junge Batak-Generation lieben wir es zu singen, das ist ein kostbares Erbe von unseren Vorfahren. Ich denke, alle Menschen können frei singen, aber wir brauchen regelmäßige Zeiten um im Chor zu üben, denn durch den Chorgesang können wir die Schrift verbreiten und Leute zum Glauben einladen. Wir lernen Disziplin durch den regelmäßigen Zeitplan. So haben wir in den letzten Jahren gute Erfolge gehabt in mehreren Chorwettbewerben auf lokaler und nationaler Ebene. (Foto: Chor junger Erwachsener)

Die Teilnahme an kirchlichen Diensten gibt ein Gefühl der Verantwortung, als Teil der großen  Familie „Kirche“. Wir lernen und praktizieren Partnerschaft zwischen den Älteren und Jugendlichen, mit anderen Worten, wir pflegen enge Beziehung von Herz zu Herz zwischen den Generationen. Ein allgemeines Sprichwort sagt, dass die alte Generation mehr Erfahrung hat als die Jungen, aber die junge Generation hat mehr Veränderungsbereitschaft, sie hat ein hohes Potential die Gemeindearbeit zu erneuern. Zum Beispiel engagieren sich kirchliche Jugendmitarbeiter oft als kreative Sonntagsschul-Lehrer, als Organisten, als Chorleiter und Konzert-Musiker, als Parkwächter, als Spenden-Sammler, als Helfer für kirchliche Feiern, als Mitarbeiter bei Umwelt-Engagements, usw. Andere Jugendliche zeigen Empathie für Familien, die trauern, sie trösten andere, die in sehr schweren Krankheiten sind, sie zeigen Solidarität für Flüchtlinge und teilen ihre Freude mit Freunden an ihrem Glückstag, etc.

Tief beeindruckt hat mich in der kirchlichen Jugendarbeit, als der Vater eines Freundes starb, haben wir nicht nur unsere Anteilnahme der Familie gezeigt, sondern wir begleiteten die Familie jeden Tag bis zur Beisetzung, wir halfen auf praktische Art. All dies geschieht in Abstimmung mit den Ältesten/Presbytern der Gemeinde.

Neben den wöchentlichen Gruppenstunden hat  die Jugend auch verschiedene Aktivitäten über die Bezirksgrenzen hinaus durchgeführt, so sogenannte Kirchenvisitationen mit regelmäßigem Bibelstudium, sowie monatliche Ausflüge. Der Ausbau der Freundschaft innerhalb der kirchlichen Jugendarbeit trifft aber auch auf viele Hindernisse. Unterschiede in Persönlichkeit, Alter, Bildung und Hintergrund der Familien treffen in der Gruppe auf einander. Aber diese lehren uns, einander zu verstehen und in Persönlichkeit und Spiritu-alität zu reifen. Wir lernen uns mit Freunden aus anderem Hintergrund zu beschäftigen, ihre anders gearteten Wünsche und Vorstellungen  anzunehmen. Auch erfuhren wir das Beten als einen Lernprozess.  Obwohl die meisten von uns in christlichen Familien aufgewachsen sind, haben viele meiner Freunde als junge Erwachsene das persönliche Gebet in der kirchlichen Gemeinschaft neu erlernt. Dabei halfen uns z. B. Taizé-Lieder und Andachten, die  schon vor Jahren auch in Indonesien bekannt wurden. Wir haben auch gelernt bei  verschiedenen Feierlichkeiten, die die Batak-Kultur prägen, die christliche Botschaft in die Öffentlichkeit zu bringen. Das gibt Raum für Jugend und junge Erwachsene, besondere Fähigkeiten wie Redekunst zu lernen und einzuüben.

Als besondere Herausforderung für die  Jugend erleben wir die Globalisierung. Wir realisieren, dass sie zwei Seiten hat mit guten und schlechten Auswirkungen für alle Facetten des Lebens, sowohl im ländlichen als auch im städtischen Bereich. Der negative Einfluss der Globalisierung macht  jungen Menschen große Sorgen, z. B. die hohe Jugendarbeitslosigkeit auf Sumatra lässt das Vertrauen schwindenden das zukünftige Leben zu schaffen.  Der große Wettbewerb unter denen, die arbeiten wollen, aber  in ländlichen Gebieten oft nur geringe Qualifikationen haben, hindert uns die Potenziale und Begabungen zu entdecken, die in uns stecken.  Wenn man aus einer sehr armen Familie kommt,  hat man kaum Chancen seine Potenziale zu entdecken, z. B. Unternehmergeist zu entwickeln, oder an einer Hochschule zu studieren.                                          (Foto: Ausflug ins Umland)

Auf der anderen Seite erleben wir die positiven Auswirkungen der Globalisierung zur Erleichterung des Lebens, z. B. durch schnellere Transporte, moderne Kommunikations-techniken, weltweite Informationen und christliche Gemeinschaft über die Kontinente.

In der kirchlichen Jugendarbeit begegnen wir beiden Seiten der  Globalisierung. Nach meinen Erfahrungen unter jungen Erwachsenen hat etwa nur die Hälfte bezahlte Arbeit, die andere Hälfte ist arbeitslos oder hilft in der Familie, auf dem Reisfeld usw. Heutzutage ist die geschickte Computer-Anwendung eine Standard-Anforderung für fast jede Art von Arbeit, auch auf Sumatra. Wenn Jugendliche diese Fähigkeit bei einer Bewerbung nicht vorweisen können, haben sie nur wenige Chancen angenommen zu werden. Dann verbleiben ihnen nur die Möglichkeiten als traditioneller Bauer zu arbeiten, als Klein-Händler, Schneider, öffentlicher Mini-Busfahrer, Bauarbeiter etc. Das heißt sie haben kaum Entwicklungsmög-lichkeiten und werden wohl arm bleiben.  Wenn sie aber ein eigenes Klein-Unternehmen aufbauen wollen, müssen sie mit Schulungen unterstützt werden über Marketing, Preisgestaltung, Rechnungswesen, Einkauf und andere Geschäftsprozesse , die von IT-Systemen unterstützt werden. Auch hierbei kann die Kirche helfen.

Schließlich, was behalte ich im Herzen von der kirchlichen Jugendarbeit? Die Zugangsweise und Inhalte der kirchlichen Jugendarbeit möchte ich auch bei anderen Arbeiten einsetzen: Mit frischem Geist, kreativ und innovativ, schlauen Ideen, einem hohen Maß an Neugier, mit weniger Erfahrung aber begierig, neue Dinge zu lernen, das sind Erfahrungsschätze für die Kirche der Zukunft, die wir nachhaltig brauchen. Nach wenigen Jahren kirchlicher Jugend-arbeit darf ich feststellen, dass das Christsein nicht oberflächlich bleiben darf, sondern dass es allmählich in unsere Herzen fließen und uns so verändern soll, dass wir Gottes Geist gerne folgen.